Aus dem Geschäftsführer-Büro sprang er früher direkt in den SankaAus dem Geschäftsführer-Büro sprang er früher direkt in den Sanka

Aus dem Geschäftsführer-Büro sprang er früher direkt in den Sanka

Er war der „Baumeister“ des BRK-Kreisverbands Cham: Der frühere Geschäftsführer Hans Leitermann wird an diesem Dienstag 85 Jahre alt. Der Bad Kötztinger agierte unbürokratisch, menschlich, aber immer zielstrebig. Das BRK war für ihn eine Lebensaufgabe.

Von Frank Betthausen

Bad Kötzting. 85 wird er an diesem Dienstag: Aber seine tägliche Tour auf den Kaitersberg lässt sich Hans Leitermann nicht nehmen. Am Stammtisch auf der Kötztinger Hütte ist der drahtige Senior mit dem feinen Humor ein gern gesehener Gast – und es sind längst nicht nur die Wanderfreunde oder die Menschen in seiner Heimatstadt, die ihm bis heute mit großer Wertschätzung begegnen. Auch beim BRK-Kreisverband Cham, den er nach der Gebietsreform ab dem Jahr 1973 auf- und ausgebaut hat, genießt der frühere Kreisgeschäftsführer immer noch hohes Ansehen. 

„Du hast über viele Jahre hinweg ein Fundament gesetzt.“ Kreisvorsitzender Theo Zellner über die Aufbauarbeit von Hans Leitermann

Mit Lob für seine Arbeit, das ist bei einem Besuch in der Kreisgeschäftsstelle kurz vor seinem Ehrentag zu spüren, hat er in seiner bescheidenen Art so seine Schwierigkeiten. Da blickt er fast peinlich berührt und mit jungenhaftem Lächeln auf den Tisch, auf dem eine alte Zeitungsseite und eine leicht verblasste BRK-Publikation aus seiner Schaffenszeit liegen.

Doch es hilft nichts – da muss er durch. Kreisvorsitzendem Theo Zellner und Leitermanns Nachfolger Manfred Aschenbrenner ist es ein Herzensanliegen, den Jubilar für seine Verdienste zu würdigen. „Du warst für lange Zeit so etwas wie das Gesicht des BRK im Landkreis Cham und hast über viele Jahre hinweg ein Fundament gesetzt“, sagt Zellner. Das Rote Kreuz sei damals noch ein ganz anderes gewesen. „Die Mittel waren einfacher und es bedurfte eines immensen persönlichen Einsatzes“, hält der frühere BRK-Präsident fest.

Ein Beispiel? Als Leitermann als gelernter Industriekaufmann vor 60 Jahren – am 1. März 1962 – seine Stelle als Geschäftsführer beim damaligen Rot-Kreuz-Kreisverband Kötzting antrat, absolvierte er erst einmal eine Sanitätsausbildung. Als „Bürohengst“ besetzte er danach den Sanka, wenn Not am Mann war und die Kollegen anderweitig unterwegs waren. „Die Anfangszeit war schon schwierig“, sagt er. „Wir hatten Schulden, ein altes Auto…“ Ja, noch nicht einmal passende Räume! Das erste Büro lag in der Metzstraße. „Da hat es reingeregnet“, erinnert er sich.

Mit heute sei das alles nicht mehr zu vergleichen, meint er – und denkt dabei auch an die Art und Weise, wie er als 25-Jähriger zum Roten Kreuz und seiner Stelle als Kreisgeschäftsführer gekommen war. Kötztings Landrat Rudolf Nemmer ließ ihn damals zu sich rufen und eröffnete ihm direkt: „Wennst as werden willst, bist as!“ Am Ende seien 36 Jahre daraus geworden…

Von Beginn an war Leitermann vor allem eines: ein Teamspieler. „Ich hatte immer eine gute Mannschaft und immer ein gutes Verhältnis zu den Kollegen“, sagt er und gibt einen Einblick in seine Arbeitseinstellung, die ihn bis zu seinem Ruhestand ausgezeichnet hat. Der Bad Kötztinger agierte unbürokratisch, menschlich, aber immer zielstrebig. Das BRK war für ihn eine Lebensaufgabe.

Er genoss großen Rückhalt

Im Kreisvorstand genoss er großen Rückhalt – genauso wie bei BRK-Kreisvorsitzenden wie Heinrich Eiber oder Ernst Girmindl. Vielbeschäftigten Politikern wie ihnen ließ er durch seine charmante, hartnäckige Art oft gar keine andere Wahl, als sich trotz voller Terminkalender mit seinen Themen zu beschäftigen.

Mit den Jahren nahmen die Aufgaben und Herausforderungen gewaltig zu. Für Sanitätsdienste blieb ihm keine Zeit mehr. Mit der Gebietsreform, die das Ende der BRK-Kreisverbände Roding, Waldmünchen, Cham und Kötzting bedeutete, wechselte Leitermann 1973 als neuer Kreisgeschäftsführer in die Kreisstadt am Regen.

Hans Leitermann, streicht Theo Zellner die Verdienste des Jubilars heraus, habe für das Rote Kreuz unter dem Vorsitz von Heinrich Eiber die Gebietsreform vollzogen. „Dieser Erfolg in diesen einschneidenden Zeiten verdient noch heute größten Respekt“, meint er. Er sei auch deswegen möglich gewesen, davon ist der ehemalige Landrat überzeugt, weil in Cham stets ein Grundvertrauen dagewesen sei – zwischen dem Kreisvorstand und der Geschäftsführung, aber auch zwischen dem Haupt- und dem Ehrenamt.

Auf dieser soliden Grundlage sei es Leitermann möglich gewesen, sich einen Ruf als „Baumeister des Kreisverbands“ und „Schrittmacher für die Pflege“ zu erarbeiten, wie Zellner es formuliert.

Wennst as werden willst, bist as!“ Kötztings Landrat Rudolf Nemmer und sein "Stellenangebot" an Hans Leitermann

Mit der Zeit des Bad Kötztingers als Geschäftsführer fielen große Projekte zusammen – etwa der Bau der Kreisgeschäftsstelle und der Rettungswache in der Tiergartenstraße in Cham (1979) oder die Eröffnung des Senioren-Wohn- und Pflegeheims in Bad Kötzting. Die Einrichtung in der Hauser Straße leitet seit dem ersten Tag 1994 sein Sohn Andreas, der beim BRK ebenfalls seinen Traumberuf gefunden hat.

Sein  „Ziehkind“ beim Roten Kreuz

Eine Art „Ziehkind“ Leitermanns beim BRK ist Manfred Aschenbrenner, der 1997 als Quereinsteiger aus der Wirtschaft zu dem Sozialverband stieß. Er arbeitete rund ein Jahr lang als Assistent der Geschäftsführung an seiner Seite, ehe er das Ruder ab dem 1. Juli 1998 offiziell übernahm und der Bad Kötztinger in den Ruhestand ging.

1997 war Theo Zellner als amtierender Landrat erstmals zum BRK-Kreisvorsitzenden gewählt worden. In dieser Konstellation sei Zusammenarbeit immer eine Frage des Vertrauens, sagt er. „Dieses Grundvertrauen hat Hans Leitermann immer eingebracht.“ Und: Er habe seine Art der Führung vor 25 Jahren an Manfred Aschenbrenner übergeben.

Der Kreisgeschäftsführer wählt sehr persönliche Worte, um das Wirken Leitermanns zu beschreiben. Das Jahr 1997 habe sein Leben und ihn als Mensch im positiven Sinn verändert, sagt er. „Du hast mir beigebracht, wie man BRK schreibt – auch zwischen den Zeilen“, gibt er seinem ehemaligen Chef zum Geburtstag mit auf den Nachhauseweg.

Der 85-Jährige blickt mit jungenhaftem Lächeln auf den alten Zeitungsausschnitt, in dem es um die Einweihungsfeierlichkeiten in der Chamer Tiergartenstraße vor 43 Jahren geht. In wenigen Wochen wird das Gebäude, dessen Baumeister er war, abgerissen. Es weicht dem neuen BRK-Rettungszentrum. Hans Leitermanns Lebenswerk wird trotzdem bleiben.