
Norbert Winkler, seit 1995 Bereitschaftsleiter in Lam und bis vor rund einem Jahr Kreisbereitschaftsleiter, war in jungen Jahren auf dem besten Weg, Feuerwehrmann zu werden. Doch sein Nachbar Franz Marchl lotste ihn zum Roten Kreuz.
Von Frank Betthausen
Lam. Dass Norbert Winkler beim BRK gelandet ist, war reiner Zufall. Ein paar Tage später – und er wäre mit seinen damals 18 Jahren der Feuerwehr beigetreten, die schon sein Interesse geweckt hatte.
Aber: Sein Nachbar Franz Marchl lenkte alles in andere Bahnen und lotste ihn als überzeugter Rotkreuzler zu „seiner“ Organisation. „Schau' dir das doch mal an!“, sagte er zu Winkler. Der überlegte eine Weile – und trat am 1. April 1987 in die Hilfsorganisation ein.
So fand er seine Berufung im Ehrenamt und eine Aufgabe, die ihn nie mehr losgelassen hat. „Wenn der Piepser geht, mache ich mich auf den Weg“, sagt der heute 57-Jährige, den nicht zuletzt durch sein Engagement bei den Helfern vor Ort (HvO) im Lamer Winkel jeder kennt.
Vor einem Jahr hatte er seinen Posten als Kreisbereitschaftsleiter abgegeben. Aus freien Stücken und nach einer wohlüberlegten Entscheidung! „Ich habe für mich nach acht Jahren gesagt: Es war eine sehr schöne Zeit. Auch die zwölf Jahre als Stellvertreter! Aber irgendwann wollte ich kürzertreten und etwas mehr Luft für mein Privatleben haben. Ich hatte nicht mehr den vollen Elan, den es gebraucht hätte.“
Das Miteinander prägt einfach – hier vor Ort genauso wie beim Kreisverband.
Norbert Winkler
Als Verpflichtung oder gar Belastung hat er seinen Führungsposten trotzdem nie erlebt. Er sei zu jedem Termin gerne gegangen. „Es war mir immer eine Ehre, meine goldenen Sterne zu tragen“, meint der Thürnsteiner, der sich an anderen Stellen mit Herzblut für das BRK Cham weiterengagiert. Etwa als Bereitschaftsleiter in Lam! Seit 1995 wirkt er in der Funktion, die er von seinem Schwager Helmut Dachs übernommen hatte…
„Das Miteinander prägt einfach – hier vor Ort genauso wie beim Kreisverband“, sagt Winkler, der immer den Anspruch hatte, andere zu motivieren und mit seiner Begeisterung anzustecken. Beispielsweise als seit Jahrzehnten engagierter Erste-Hilfe-Ausbilder oder Gründungsvater des Lamer Jugendrotkreuzes. „Das war eine meiner ersten Aufgaben nach meinem Beitritt 1987“, erinnert er sich.
Auf diese Familie ist Verlass
Überhaupt sind „die Winklers“ bis heute prägend für das Rote Kreuz in Lam und die 1981 in der Gemeinde aus der Taufe gehobene Bereitschaft. Auf Norberts Mutter Maria und seine Schwester Cornelia – ihr Mann Helmut war ebenfalls fleißiger Helfer, starb allerdings im August 2025 – ist dort genauso Verlass wie auf Thomas Winkler, der heute die Jugendarbeit beim BRK Cham verantwortet.

Norberts zweiter Bruder Michael brachte sich „aus der Jugend heraus“ fast 25 Jahre in den Verband ein – eine Zeit lang auch im Hauptamt –, und Vater Manfred half in all der Zeit im Hintergrund fleißig mit, wo immer er konnte.
Mit Tochter Michaela, die das BRK-Gen weitervererbt bekommen hat, zeigt darüber hinaus längst die nächste Generation vollen Einsatz. Lediglich Winklers Sohn Andreas „ist nicht ganz so aktiv“. Aber: Wenn es darum geht, mit anzupacken, lässt auch er die Rot-Kreuz-Familie nicht im Stich…
Aktive dazugewonnen
Um die Zukunft ist dem Bereitschaftsleiter längst nicht nur wegen der innerfamiliären Unterstützung alles andere als bange. Die Mannschaft – Lam ist seit 1997 HvO-Standort – habe in den vergangenen Monaten kontinuierlich neue Mitglieder dazugewonnen; auch jüngere. Zwei Aktive hätten im Herbst den Lehrgang zum Rettungsdiensthelfer absolviert. Ein wichtiges Fundament für den HvO-Dienst!
„Das ist definitiv unser Aushängeschild. Wenn wir diesen Bereich unserer Arbeit nicht hätten, würden wir in der Bevölkerung sicher nicht so auffallen“, ist sich Winkler sicher und freut sich darüber, in seiner Bereitschaft „derzeit eine recht schöne Clique beisammenzuhaben, die sich auch privat gut versteht“.
Es gab auch andere Phasen
Insgesamt gehören der Gemeinschaft im Landkreis-Osten rund 50 Mitstreiter an. Knapp die Hälfte von ihnen sei „richtig aktiv“. Ein Umstand, der den 57-Jährigen umso mehr zufrieden stimmt, als er auch schon Phasen erlebt hat, in denen der harte Kern aus drei, vier oder fünf Personen bestand.
„Momentan schaut es gut aus – und ich hoffe, dass es so bleibt. Wie in vielen Vereinen ist das allerdings oft ein Kommen und Gehen, gerade jüngere Mitglieder verändern sich – beruflich und privat“, ist Winkler realistisch.
Es ist schön, zu sehen, dass wir mit unserer Arbeit sehr angesehen sind – und es macht auch Spaß.
Norbert Winkler
Ein Pfund, mit dem er und seine Truppe wuchern und zusätzlich auf sich aufmerksam machen können: Seit etwas mehr als zwei Jahren steht den Rot-Kreuzlern eine neue Unterkunft zur Verfügung. Die Immobilie am Standort „Himmelreich“ zu finden, war alles andere als einfach – und ob sie eine Dauerlösung wird, muss sich zeigen. „Für den Moment war das aber ein Glücksgriff“, sagt der Funktionär.
Die Räume sind zwar kleiner als die alten, die Blutspende-Termine – das war eines der entscheidenden Kriterien – können dort jedoch problemlos stattfinden; die Bereitschaftsabende, Schulungen und die Treffen des Jugendrotkreuzes sowieso.
Ein neues Auto als Ziel
Welche Pläne und Ziele Winkler für seine Bereitschaft und die aktuelle Amtsperiode hat? „Über kurz oder lang wird ein anderes Auto fällig werden. Da kennt man die Jahre und den Verschleiß, auch wenn kein Druck dahinter ist. Es muss von der Investition gerechtfertigt sein“, sagt der Thürnsteiner.
Eine buchstäblich wertvolle Ergänzung für den Ehrenamts- und Einsatzalltag waren – insbesondere für die Sanitätsdienste beim Ultra Trail Lamer Winkel – die beiden Pavillons, die Winklers Mannschaft 2024 angeschafft hatte.
Eine Investition, die über Fördermittel des Aktionsbündnisses Künisches Gebirge getätigt werden konnte und bei der alle Beteiligten wieder einmal froh waren um die Mithilfe und die Spenden aus der heimischen Wirtschaft sowie von gesellschaftlichen Gruppen und Vereinen!

Diese Anerkennung aus der Bevölkerung macht für Winkler „unglaublich viel“ bei der ehrenamtlichen Arbeit fürs Rote Kreuz aus. „Es gibt doch oft positives Feedback draußen bei den Bürgern. Ich merke das, wenn ich unterwegs bin, dass ich viel angesprochen werde. Es ist schön, zu sehen, dass wir mit unserer Arbeit sehr angesehen sind – und es macht auch Spaß“, sagt er.
Und noch jemandem ist Winkler ausgesprochen dankbar für die Unterstützung: seinem Arbeitgeber! Seit 40 Jahren ist der gelernte Elektromechaniker bei der Firma Zollner in Lam tätig, heute als Verantwortlicher für das Prozess-Engineering.
„Wann immer es nötig ist, kann ich ausrücken für Einsätze“, ist der Thürnsteiner immer wieder aufs Neue begeistert vom großen Entgegenkommen des Betriebs.
Schlagerfan und Tänzer
Am meisten Verständnis in all den Jahrzehnten hatte aber seine Frau Silvia, die sich – es grenzt fast an ein Wunder bei der Begeisterung der restlichen Familie – nie für eine Tätigkeit beim BRK erwärmen konnte. „Sie hat gesagt: einer reicht!“, meint Winkler und lacht. Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Sie hat gewusst, worauf sie sich einlässt.“
Mit seinem Rückzug vom Posten als Kreisbereitschaftsleiter kann er seiner Gattin endlich etwas für ihre Geduld zurückgeben. Um Abstand zum Beruf und zum BRK zu finden – viel Zeit blieb ohnehin nie –, ist Winkler als Schlagerfan schon immer gerne zum Tanzen gegangen. Dorthin führt er seine Silvia seit einem Jahr ein wenig häufiger aus als früher…