
„Wir wollen uns das erste Jahr bis zum Schluss anschauen und die Ist-Situation feststellen. 2026 wollen wir entsprechende Verbesserungen einbauen, um dann zum Ende der vier Jahre auf ein Zielbild hinzuarbeiten“, sagt Andreas Liebert, seit einem Dreivierteljahr neuer Leiter der BRK-Bereitschaft Roding. Zusammen mit seinen Stellvertreterinnen Daniela und Imke Owerdieck hat er sich mit viel Schwung an die Arbeit gemacht.
Von Frank Betthausen
Roding. Andreas Liebert ist ein strukturierter, planvoller Mensch, den so schnell nichts aus der Fassung bringt. Wenn seine erste Stellvertreterin an der Rodinger Bereitschaftsspitze allerdings anfängt – und sie meint jedes Wort zu 100 Prozent ernst –, ihn mit Lob für seine Arbeit zu überschütten, huscht ein Hauch von Verlegenheit über sein Gesicht.
„Andi ist BRK durch und durch. Was der alles schon in Bewegung gesetzt hat…!“, sagt Daniela Owerdieck. „Er ist immer der Erste, der sich meldet, wenn irgendetwas zu machen ist. Er ist der Erste, der fährt, wenn die Unterstützungsgruppe Rettungsdienst alarmiert wird… Andi ist immer da! Ich weiß gar nicht, wo er die Zeit hernimmt.“
Bei so viel Engagement und Freude am Ehrenamt war schnell klar, wer die örtliche BRK-Bereitschaft mit den Wahlen im Frühjahr 2025 als Nachfolger von Stefan Dietl übernehmen sollte…
Räume auf Vordermann gebracht
„Es ist aber auch ein tolles Hobby und macht einfach Spaß“, sagt der 31-Jährige, dem mit Owerdieck und ihrer Tochter Imke als 2. Stellvertreterin seit einem Dreivierteljahr zwei ebenso motivierte, neue Vizes zur Seite stehen.
Das Führungstrio ist mit Schwung gestartet und hat nach der Übernahme der Amtsgeschäfte in einem der ersten Schritte die seit 2024 zur Verfügung stehenden Bereitschaftsräume in der früheren BRK-Tagespflege in der Paul-Gerhardt-Straße streichen lassen sowie mit Mobiliar und Technik ausgestattet.
„Da war – was uns sehr gefreut hat – ganz viel Unterstützung durch den Kreisverband und Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner da“, erzählt Daniela Owerdieck.
Wir wollen viel miteinander üben und reden. Ganz nach dem bekannten Motto: in Krisen Köpfe kennen!
Daniela Owerdieck
Bei allem, was sie anstoßen, haben die Drei seit dem ersten Tag einen genauen Zeitplan und eine klare Strategie. „Wir wollen uns das erste Jahr bis zum Schluss anschauen und die Ist-Situation feststellen. 2026 wollen wir entsprechende Verbesserungen einbauen, um dann zum Ende der vier Jahre auf ein Zielbild hinzuarbeiten“, sagt Andreas Liebert.
Eine der ersten Änderungen war es, feste Dienstabende einzuführen, an denen verlässlich bis zu 15 Mitglieder teilgenommen haben. Dabei sollen laut Daniela Owerdieck nicht zuletzt die Sanitätsdienste vorbereitet werden. „Wir wollen viel miteinander üben und reden. Ganz nach dem bekannten Motto: in Krisen Köpfe kennen!“
Darüber hinaus ist die Führungsriege dabei, die die Bereitschaft, die knapp 80 Mitglieder hat – darunter etwa 25 Aktive – dem Kreisverband stärker zu öffnen.
Ein Teil im großen Ganzen
„Wir sind der Meinung, dass wir am aktiven Einsatzdienst teilnehmen sollten“, betont Liebert und bezieht diese Aussage auf den Mannschaftstransportwagen der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Behandlung genauso wie auf den Rettungswagen der örtlichen Unterstützungsgruppe und die SEG Transport.
„Es ist uns wichtig, uns in den Katastrophenschutz einzubringen. Wir sehen das ganz klar als Thema für den Gesamtlandkreis und haben nicht allein Roding im Blick“, sagt der 31-Jährige, dem „das Konzept der Bereitschaften“ schon allein wegen seiner Rolle als 3. Kreisbereitschaftsleiter ein großes Anliegen ist. „Wobei du dich natürlich auch lokal vernetzen und einen Standfuß vor Ort haben musst“, fügt er hinzu.
Der Mittelfranke, der in Wolframs-Eschenbach im Landkreis Ansbach aufgewachsen ist, stieß im Juli 2016 zum Roten Kreuz. Interessanterweise nicht in seiner Heimat, sondern in England!

Dort heuerte er damals – Liebert lebte für dreieinhalb Jahre in Oxford und arbeitete beim Autobauer BMW als IT-Infrastrukturspezialist im Bereich Rechenzentren und Anti-Virus – beim British Red Cross an.
„Ich habe in dieser Zeit meinen Sanitäter und den Operational Teamleader gemacht“, erinnert er sich an die ersten Jahre bei der Hilfsorganisation und seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Bereitschaft Oxford.
Im Dezember 2019 kehrte er über BMW nach Deutschland zurück und trat eine Stelle im Werk in Regensburg an. Seinen Wohnort verlegte er nach Wörth, sein Hobby lebte er ab 2020 beim BRK-Kreisverband Regensburg und in der Bereitschaft Neutraubling-Barbing weiter.
IT-Teamleiter bei BMW
Im Januar 2021 verschlug es Liebert, der bei BMW inzwischen IT-Teamleiter für den Bereich Sicherheit auf Endgeräten ist, nach Roding – fortan konnte das BRK Cham auf seine ehrenamtlichen Dienste zurückgreifen.
Was die Hilfsorganisation für ihn besonders macht? „Was mich am meisten fasziniert, sind zwei unserer wichtigsten Grundsätze: Neutralität und Unparteilichkeit“, sagt er.
Er finde es beruhigend und beeindruckend, dass es eine Organisation gebe, die sich abseits von Politik, Glauben und allem anderen einfach für das Richtige einsetze. „Für Menschlichkeit! Was es viel zu wenig gibt…“, sagt Liebert.
Das Rote Kreuz als Familie
Ein wichtiger Punkt, der seine Stellvertreterin Daniela Owerdieck ebenfalls antreibt. Unterstützung für die Bevölkerung anzubieten, den „guten Gedanken“ weiterzuverbreiten und für andere da zu sein, wenn sie in Not sind: Das sind für sie Triebfedern im Ehrenamt.
Dazu kommt in ihrem Fall der private Aspekt. „Das Rote Kreuz ist für mich Familie, weil wir alle da in irgendeiner Weise eingebunden sind“, sagt sie über ihren Mann Jörg, den Bereichsvorsitzenden in Roding, und ihre Kinder Lars, Nina, Imke und Fynn.
Alle sind – der eine direkt, der andere lockerer – mit dem Sozialverband verwachsen beziehungsweise für ihn tätig.
Ich finde es beruhigend und beeindruckend, dass es eine Organisation gibt, die sich abseits von Politik, Glauben und allem anderen einfach für das Richtige einsetzt. Für Menschlichkeit! Was es viel zu wenig gibt…
Andreas Liebert
„Darüber hinaus“, erzählt die Aktive, „komme ich aus Zeiten, in denen die Gemeinschaft sehr gelebt worden ist. Mit Wachfesten und Grillfeiern, mit schwierigen Einsätzen und Sanitätsdiensten… Wir haben immer zusammengehalten – und das ist für mich das, was das BRK ausmacht.“
Daniela und Jörg Owerdieck stammen aus Bochum und leben seit 1996 in Michelsneukirchen – dem Ort, in dem seine Eltern Urlaub gemacht hatten, seitdem er neun Jahre alt gewesen war... Kennengelernt hatten sie sich noch in ihrer nordrhein-westfälischen Heimat. Über das Deutsche Rote Kreuz! Wie sollte es auch anders sein…
Nach dem Studium blieb er da
Warum ausgerechnet der Landkreis Cham ihre Heimat wurde? Neben der emotionalen Urlaubsverbindung zu Michelsneukirchen mit all den Jugend-Erinnerungen war es Jörgs Arzt-Karriere, die sie in der Gegend Wurzeln schlagen ließ.
Während seines Medizin-Studiums absolvierte der Bochumer im alten Rodinger Krankenhaus seine Famulaturen, seine verpflichtenden Praktika. Nach dem dritten Staatsexamen im Juni 1996 blieb er fest im Bayerwald.
Dort hat er sich nach Stationen in Roding, Regensburg, Cham und Deggendorf einen Namen als Leitender Notarzt und Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesie sowie Notfall- und Intensivmedizin gemacht. 2017 war er in die Praxis für Allgemeinmedizin in Schorndorf eingestiegen.
Das waren unsere Familienausflüge. Papa hat Notarzt gemacht und Mama zusammen mit meinem großen Bruder Sanitätsdienst.
Imke Owerdieck

Seine Frau hielt ihm in all der Zeit den Rücken frei und war zu Hause für die vier Kinder da. Ab 2013 kehrte sie Schritt für Schritt selbst in den Beruf zurück. Anfangs arbeitete sie in einem Fitnessstudio, anschließend in der Verwaltung eines Pflegeheims, danach im Kompetenz- und Koordinierungszentrum für den Grenzüberschreitenden Rettungsdienst in Furth im Wald.
2022 orientierte sich Owerdieck, die 2015 ihre Ausbildung zur Rettungssanitäterin abgeschlossen hatte, zur BRK-Landesgeschäftsstelle um. Zusätzlich zu ihrem Bachelor-Studium (Management im Gesundheits-, Sozial und Rettungswesen), das sie in dieser Phase beendete, bildete sie sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit weiter und legte in der Folge ein Masterstudium in Psychischer Gesundheit „obendrauf“.
Sie bindet den Nachwuchs mit ein
Mittlerweile ist sie – das Gros ihrer Tätigkeiten erledigt sie vom Homeoffice aus – in Arbeitssicherheitsfragen für die BRK-Leitstellen und die Landesgeschäftsstelle, die Funkwerkstätten sowie die BRK-Hubschrauber-Standorte zuständig.
Ihre Tochter Imke, die Dritte im Führungsbunde der Rodinger Bereitschaft, ist bei der Gemeinschaft ins Boot geholt worden, um den Nachwuchs zu repräsentieren, einzubinden und junge Mitglieder zu gewinnen.
Die 19-Jährige, die vor zwei Jahren ihr Abitur gemacht hatte, wirkte an verantwortlicher Stelle im Schulsanitätsdienst am Fraunhofer-Gymnasium in Cham mit. Aus diesen prägenden Erfahrungen heraus lädt sie ihre Weggefährten von damals ganz bewusst zu den Dienstabenden mit ein, „um die Jugend zu fördern“.
Nach ihrem Schulabschluss arbeitete Owerdieck ein Jahr bei einem privaten Anbieter in der Pflege, um sich ein wenig Geld dazuzuverdienen, ehe sie im Oktober in Deggendorf ihr Wirtschafts-Psychologie-Studium aufnahm.
Für die Bereitschaftsarbeit fährt sie zum Teil bis zu dreimal pro Woche aus Niederbayern nach Roding. „Aber es macht mir Spaß und deswegen nehme ich das auch in Kauf“, sagt die junge Frau, die mit 16 den Fachlehrgang zum Rettungsdiensthelfer absolviert hatte.
Ganz besondere Ausflüge
Am Roten Kreuz führte für sie bei ihrer familiären Vorgeschichte kein Weg vorbei. Schon mit fünf oder sechs Jahren begleitete sie ihre Eltern zum traditionellen Sanitätsdienst beim Weihnachtsmarkt in Reichenbach, saß auf der Trittstufe am Rettungswagen und beobachtete das Treiben rundum.
„Das waren unsere Familienausflüge. Papa hat Notarzt gemacht und Mama zusammen mit meinem großen Bruder Sanitätsdienst“, erzählt sie.
Knapp 20 Jahre später wirkt sie selbst in verantwortlicher Funktion beim BRK mit – an der Seite ihrer Mutter, der sie damals noch über die Schulter schauen musste, und zusammen mit Andreas Liebert, den Daniela Owerdieck mit Lob überschüttet.
Und auch, wenn ihn das ein klein wenig verlegen macht, kann Imke ihr nur nickend beipflichten…