
Die erweiterte Zentrale der Bergwacht Neukirchen b. Hl. Blut mit dem Mehrzweckraum „Herzensangelegenheit und Bergrettung“ erhielt am Samstag den kirchlichen Segen. Über die Einrichtung sollen in der Marktgemeinde die Themen Frühdebrillation und Laien-Reanimation weiter vorangebracht werden. Die ehrenamtlichen Aktiven selbst freuen sich über neue Platzverhältnisse und ganz andere Übungsmöglichkeiten. In ihrem Garagen-Anbau können sie ab sofort sogar für Hubschrauber-Einsätze trainieren.
Von Frank Betthausen
Neukirchen b. Hl. Blut. Als Bauleiter Martin Fischer diese Zahl nannte, brandete unter den Gästen der Bergwacht Neukirchen b. Hl. Blut langanhaltender Applaus auf: „Dieses Vorhaben konnte nur mit der beachtlichen Zahl von 2500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Abschluss gebracht werden. Gut 2500 Stunden ohne jedwede finanzielle Entschädigung! 2500 Stunden Dienst am nächsten!“, betonte der frühere Bereitschaftsleiter.
Wie seine Kameraden und die weiteren Festredner freute er sich am Samstag „unbandig“ darüber, dass der lange gehegte Traum der Ehrenamtlichen von ihrem Mehrzweckraum „Herzensangelegenheit und Bergrettung“ und der Erweiterung ihrer Zentrale am Hungerbühl Wirklichkeit geworden ist.
Für rund 460.000 Euro haben die Aktiven am Rettungszentrum der Marktgemeinde eine rundum erneuerte Unterkunft mit ganz neuen Platzverhältnissen und Übungsmöglichkeiten erhalten.
Eine große Gästerunde
Ruhestandspfarrer Ambros Trummer rief bei einer Feierstunde, an der Vertreter von Kommunalpolitik und Betrieben genauso teilnahmen wie Partner der Bergwacht und Angehörige der Blaulichtfamilie, den Segen und Schutz Gottes auf die Räumlichkeiten und die Menschen herab, die auf dem Areal ein und aus gehen.
Bereitschaftsleiter Armin Fischer hatte die Gäste – auch im Namen seiner Stellvertreter Christina Schütz und Thomas Feigl – willkommen geheißen.
Ein Landrat oder ein Bürgermeister könnten nicht stolzer sein, wenn sie auf so eine akribische, ehrenamtliche Blaulichtfamilie zurückgreifen können.
Landrat Christian Schindler
Bürgermeister Dr. Johannes Müller – die Marktgemeinde Neukirchen b. Hl. Blut trat als Bauherr auf – stellte in seiner Rede wie Martin Fischer das freiwillige Engagement in den Reihen der BRK-Gemeinschaft heraus. „Ohne das Ehrenamt wäre es nicht möglich gewesen, diese Einrichtung so erfolgreich umzusetzen“, sagte er. Mit dem Umbau und der Erweiterung der Bergrettungswache sei etwas Bleibendes geschaffen worden.
Der Name des neuen Mehrzweckraums „Herzensangelegenheit und Bergrettung“ hätte nach Ansicht von Müller nicht passender gewählt werden können. „Er wurde geschaffen, um die Frühdefibrillation in unserer Gemeinde weiter voranzubringen. Mit öffentlich zugänglichen Defibrillatoren wollen wir schnelle Hilfe ermöglichen. Denn: Bei einem Herzstillstand zählen jede Sekunde und jede Minute“, betonte er.
Genauso wichtig wie die Geräte sei dabei die Ausbildung. Bürger und ehrenamtliche Kräfte könnten künftig an einem zentralen Ort unter modernen Bedingungen im Umgang mit der Frühdebrillation und in der Laien-Reanimation geschult werden.

Landrat Christian Schindler sprach von „ganz einem besonderen Tag, einem besonderen Projekt und einem besonderen Gebäude“ – und von einer „besonderen gemeinschaftlichen Arbeit“.
Wie sein Vorredner hob er den Einsatz der Bergwacht-Familie und deren Eigenleistungen hervor – nicht zuletzt bei den Pflasterarbeiten rund um die Bergrettungswache. „Da spart man sich einiges an Geld, einiges an Fördermitteln und an öffentlichen Geldern – Gelder, die am Ende des Tages der Bürger bezahlen muss, der Steuerzahler, die Marktgemeinde, der Landkreis, der Staat…“, meinte der Lokalpolitiker.
Firmen brachten sich ein
Gerade wegen schwerer Unfälle im Wald und in unwegsamem Gelände sei es so wichtig, eine Einrichtung wie diese zu haben. „Ein Landrat oder ein Bürgermeister könnten nicht stolzer sein, wenn sie auf so eine akribische, ehrenamtliche Blaulichtfamilie zurückgreifen können“, freute er sich und sagte der Truppe von Fischer, Schütz und Feigl „ein ganz großes Vergelt's Gott“.
Laut Schindler werden in das Projekt „Mehrzweckraum Herzensangelegenheit und Bergrettung“ 220.000 Euro an Mitteln aus dem Förderprogramm LEADER fließen. Den Rest der Kosten teilen sich die Kommune und die Bergwacht.
Der Landkreis steuerte dabei gut 42.000 Euro bei, das BRK Cham stellte einen Zuschuss von 30.000 Euro zur Verfügung.
Dazu kamen Spenden in Höhe von etwa 20.000 Euro, die Martin Fischer und seine Unterstützer bei Firmen und Gönnern in der Region generiert hatten. „Das ist eine enorme Leistung“, hielt Christian Schindler fest.
Es zählt nicht, wie hoch der Berg ist, sondern wie groß das Herz des Menschen ist.
BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner
BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner ging zu Beginn seines Grußworts auf „9/11“ ein und stellte die Zusammenkunft in einen großen Kontext. Denn: Die Einweihungsfeierlichkeiten fielen nicht nur auf den 12. September, den Welt-Erste-Hilfe-Tag. Sie hatten auch einen engen zeitlichen Bezug zum 25. Jahrestag der verheerenden Anschläge auf das World Trade Center.
Wer am Tag zuvor in den Rückblicken auf die Ereignisse vom 11. September die „fast schon unwirklichen Bilder“ gesehen habe – aus einer Zeit, in der die Welt aus ideologischen Gründen durcheinandergekommen sei – sei froh, an einen sicheren Ort zu kommen, wie er „heute in dieser Stunde“ zu erleben sei. „Hier trifft man Menschen, auf die man sich verlassen kann“, sagte Zellner.
Mehr als Ausrüstung und Technik
Der Titel „Herzensangelegenheit und Bergrettung“ begeisterte den früheren BRK-Präsidenten ebenfalls, hielt er ihn doch für eine treffende inhaltliche Klammer. „Es geht euch nicht nur um Berge, um Ausrüstung und Technik, es geht euch auch und ganz besonders um den Menschen. Es geht um diejenigen, die Hilfe brauchen, und die, die ihr Herz in die Hand nehmen und sagen: Wir helfen!“, meinte Zellner. Das sei ein ganz, ganz hoher Anspruch.
Bei der Bergwacht, die ein wichtiger Teil der Sicherheitsstruktur des gesamten Landkreises sei, gelte: „Es zählt nicht, wie hoch der Berg ist, sondern wie groß das Herz des Menschen ist“.
Michael Riebel, Sachgebietsleiter für Stallbauförderung und LEADER beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth-Weiden, stimmte in den Komplimente-Reigen auf die Teamleistung der Neukirchner Bergretter mit ein. „Gemeinschaft ist wichtig. Ohne, dass alle anpacken, kann so ein Projekt nicht umgesetzt werden“, sagte er.

Das erweiterte Bergwacht-Gebäude sei ein Symbol für die Zusammenarbeit aller Beteiligten – vom Bürgermeister bis hin zu jedem einzelnen Mitglied. Es sei ein „Sicherheitsmehrgewinn“ für die Region und ein echtes Gemeinschaftsprojekt. „Das ist auch das Ziel von Leader: Vernetzung, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit zu fördern“, erklärte er.
Martin Fischer, der das Bauvorhaben mit Jessica Obermeier, seiner früheren Stellvertreterin an der Bereitschaftsspitze, geschultert hatte – die beiden behielten die Fäden auch nach ihrem Rückzug in die zweite Reihe ab dem Frühjahr 2025 in der Hand –, blickte auf das Projekt und die fast zwölf Jahre umspannende Vorgeschichte zurück.
Der ehemalige Bereitschaftsleiter erinnerte an die ersten Standort-Überlegungen, das aufwändige Förderantragsverfahren, rund 20 öffentliche Ausschreibungen mit mehr als 60 auszuwertenden Angeboten, Gespräche über Gespräche und viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit…
Immer größerer Platzbedarf
„Ich glaube, sie können sich nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass ich an dem heutigen Tag tatsächlich hier vorne stehen darf“, sagte er und dankte den beteiligten Firmen „für die zügige, tadellose Arbeit“.
In teils launigen Worten rückte Fischer die beengten Raumverhältnisse in den Fokus, die in der alten Garage mit den Jahren – unter anderem durch neue, größere Fahrzeuge – entstanden waren.
„Das Projekt Herzensangelegenheit zeigte den zusätzlichen Platzbedarf für Material und Schulungen auf“, erläuterte er. Seit 2023 habe die Bergwacht in der Marktgemeinde sechs eigene Standorte für Frühdefibrillatoren geschaffen und vier weitere angeregt und bekannter gemacht.
Ich glaube, sie können sich nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass ich an dem heutigen Tag tatsächlich hier vorne stehen darf.
Bauleiter Martin Fischer
„Zudem haben wir es uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir das oft noch tabuisierte Thema der Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Bevölkerung für jedermann zugänglicher machen und Berührungsängste nehmen.“
Die Schulungen dazu hätten an einer ganzen Reihe unterschiedlicher Orte in der Kommune stattgefunden. Mit dem Erweiterungsbau stehe künftig eine feste Anlaufstelle zur Verfügung.
Bei jedem Wetter einsatzbereit
Ruhestandspfarrer Ambros Trummer dankte der Bergwacht für „die stete Bereitschaft, zu helfen“. Die Aktiven seien bei Wind und Wetter und zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit. „Gott sei Dank gibt es Menschen, Organisationen und Gruppen, die sich das Helfen auf die Fahne geschrieben haben“, meinte er.
Ehe er die neuen Räumlichkeiten segnete, bekräftigte er: „Wir glauben daran und vertrauen darauf, dass es über uns diesen Gott gibt, der helfen kann, helfen wird und uns schützen soll“.
Zum Ende des offiziellen Teils rückte stellvertretende Bereitschaftsleiterin Christina Schütz die beiden Personen in den Mittelpunkt, ohne deren Engagement es nicht möglich gewesen wäre, die Bergwacht Neukirchen in dieser Weise für die Zukunft zu rüsten: Martin Fischer und Jessica Obermeier.
Lob für „sensationelle“ Arbeit
„Was ihr geleistet habt, ist sensationell!“, befand Schütz. Allein Martin habe mehr als 400 Stunden an freiwilliger Arbeit in dieses Projekt investiert, bei Jessy seien es mehr als 200 Stunden gewesen. „Die beiden waren einfach immer da!“, betonte die Rednerin.
Unter kräftigem Applaus der Gäste überreichten Schütz und ihre Kameraden den langjährigen Verantwortlichen zwei Hohenbogen-Sitzbänke für den Garten oder den Hof – „um im Alltag nach getaner Arbeit die Ruhe genießen zu können“…
Nach dem offiziellen Festakt und dem Mittagessen fand rund um die Bergwacht-Zentrale ein Tag der offenen Tür statt – mit einer Hüpfburg, Mitmachstationen und der Möglichkeit, die neue Kletterwand zu testen. Martin Fischer bot Führungen über das Gelände und durch die neuen Räume an.
