BRK wappnet sich mit Neubau schon heute für das Jahr 2034

Frank Betthausen
Die Arbeiten an der neuen Rettungswache schreiten in Windeseile voran. Nach dem Spatenstich Ende August versammelte sich die Rot-Kreuz-Familie mit ihren Gästen am Dienstag im Gewerbepark zum Richtfest.

Nach gerade einmal fünfwöchiger Bauzeit haben die BRK-Verantwortlichen an der neuen Rettungswache in Arrach das Richtfest gefeiert. In den Augen von Kreisvorsitzendem Theo Zellner wappnet sich das Rote Kreuz mit Einrichtungen wie dieser, „um in acht Jahren personell, aber auch von den Rahmenbedingungen her" eine Antwort auf das nächste Ausschreibungsverfahren geben zu können.

Von Frank Betthausen

Arrach. Helmut Müller ist mit seiner Firma zwar im Auftrag des Roten Kreuzes tätig. Doch bei dem Tempo, das der Weidinger mit seinem Baumeisterbetrieb bei der Errichtung der neuen Rettungswache in Arrach vorlegt, sind Vergleiche mit Einsatzpartnern und altbekannte Sprüche nach Ansicht von BRK-Rettungsdienstleiter Dominik Lommer durchaus legitim. Müller ist schneller als die Feuerwehr – oder als es die Polizei erlaubt… 

Nur fünf Wochen nach dem Spatenstich am 25. August kamen die BRK-Verantwortlichen und ihre Gäste am späten Dienstagnachmittag auf dem Grundstück im Gewerbepark zum Richtfest zusammen. Die Fertigstellung des Funktionsgebäudes und der Bezug sind im ersten Quartal 2027 geplant.

„Wenn ein Richtkranz weht, ist das immer eine Freude – dann bewegt sich etwas, dann wird etwas investiert, dann hat man ein Ziel vor Augen“, freute sich BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner bei der Feierstunde, an der Rot-Kreuz-Vertreter aus dem Haupt- und dem Ehrenamt genauso teilnahmen wie Vorstandsmitglieder und Einsatzpartner.

 Die Menschen bei uns haben das gleiche Anrecht auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Rettungszeiten, wie das in den Ballungsräumen der Fall ist. 

BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner

In seiner Rede – den Richtspruch trug Stefan Zisler, Geschäftsführer der gleichnamigen Waldmünchner Zimmerei vor – beleuchtete der frühere BRK-Präsident die besondere Situation im Flächenlandkreis Cham und die Bedeutung, die der Standort Arrach für das Umland habe.

„Es ist wichtig und nicht immer einfach, schnellen und effizienten Rettungseinsatz in der Fläche zu gewährleisten. Aber: Die Menschen bei uns haben das gleiche Anrecht auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Rettungszeiten, wie das in den Ballungsräumen der Fall ist“, betonte er.

Das Rote Kreuz habe schon in den 1980er Jahren die unzureichende Versorgung im Lamer Winkel thematisiert. Die Helfer vor Ort in Lam seien der erste Schritt gewesen, dem zu begegnen. So sei es gelungen, die Zeit bis zum Jahr 2014, als in Lam ein Rettungswagen stationiert worden sei – damals noch mit einer Abdeckung von zehn Stunden pro Tag –, über das Ehrenamt zu überbücken. 

Eine langfristige Lösung

Diese Zahl habe sich immer wieder erhöht. „Jetzt sind wir bei 18 Stunden angelangt – sonntags bis freitags von 6 bis 0 Uhr.“ Vor Sonn- und Feiertagen sei die Wache inzwischen rund um die Uhr besetzt. 

2025, ergänzte er, seien dabei von Arrach aus 1085 Rettungsdienst-Einsätze betreut worden – bei rund 61.000 gefahrenen Kilometern.

Mit dem Zuschlag durch den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Regensburg und der Verlegung des Rettungswagens von Lam nach Arrach im Mai 2024 habe das BRK eine langfristige Lösung angestrebt. 

Frank Betthausen
Zimmerer Stefan Zisler trug den Richtspruch vor. Mit BRK-Kreisvorsitzendem Theo Zellner und Tobias Wutz, dem Bad Kötztinger BRK-Wachleiter, stieß er später auf einen weiteren guten Verlauf der Arbeiten an.

„Das Jahr 2034 steht schon wieder am Horizont. Auch dann wird wieder eine Ausschreibung stattfinden. Um hier fit zu sein als Rotes Kreuz in der Fläche und in unserem Auftrag gegenüber den Menschen, müssen wir uns mit Einrichtungen wie dieser wappnen, um in acht Jahren personell, aber auch von den Rahmenbedingungen her eine Antwort geben zu können“, sagte der Altlandrat mit Blick auf das Bauvorhaben in Arrach.

Das BRK sei sehr froh, in Gesprächen mit der Gemeinde für das 400 Quadratmeter große Erbpachtgrundstück eine Lösung gefunden zu haben, über die es möglich geworden sei, „schnell und selbst investieren zu können“. 

Lob für Helmut Müller

In diesem Zusammenhang sprach Zellner Helmut Müller ein großes Lob aus. Der Unternehmer sei „ein wirklich guter Partner“, der pragmatisch und zuverlässig handele.

Anerkennende Worte fand der Kreisvorsitzende auch für alle Mitarbeiter aus dem Haupt- und dem Ehrenamt, „die tagtäglich draußen und an der Front sind“. Die Menschen hätten „unglaublich großes Vertrauen“ zu ihnen. „Und ihr rechtfertigt es jeden Tag. Ihr gebt der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit“, hielt er fest.

 Ich hoffe, dass die Menschen in unserer Region das auch zu schätzen wissen, welchen Luxus wir haben und dass diese Dienstleistungen vor Ort geboten werden. 

Stellvertretender Landrat Sandro Bauer

Stellvertretender Landrat Sandro Bauer sah in der neuen Wache einen wichtigen Standortfaktor. Dabei war es ihm ein Anliegen, in Anwesenheit von Lams Bürgermeister Paul Roßberger festzuhalten: „Dieser Stellplatz ist nicht bloß fixiert auf Arrach, sondern er dient dem gesamten Lamer Winkel und auch darüber hinaus“.

Wie Theo Zellner erkannte er bei den im Landkreis Cham abzudeckenden großen Gebieten „eine enorme Leistung“ darin, „in diesem Bereich mit den langen Strecken die Rettungsfristen einzuhalten“. 

Mühlbauer: „Ein Glücksfall“

Bauer dankte der gesamten BRK-Familie für die „professionelle Arbeit“. Das Rote Kreuz setze sich enorm ein für den ländlichen Raum. „Ich hoffe, dass die Menschen in unserer Region das auch zu schätzen wissen, welchen Luxus wir haben und dass diese Dienstleistungen vor Ort geboten werden“, meinte er. 

Das betreffe das BRK, die Feuerwehren, die Polizei und alle Organisationen im Rettungsdienst. „All das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich – auch wenn es als das angenommen wird“, sagte Bauer.

Arrachs Bürgermeister Gerhard Mühlbauer bezeichnete die Rettungswache im Gewerbepark als „einen Glücksfall“ für die Gemeinde. Letztendlich, hieb er in die gleiche Kerbe wie seine Vorredner, sei sie aber auch eine „Investition mit Schlagkraft“ für die Region und den Lamer Winkel.

Frank Betthausen
Arrachs Bürgermeister Gerhard Mühlbauer lobte das „hervorragende Miteinander“ seiner Bauhof-Bediensteten und der BRK-Beschäftigten in der Interimszeit seit Mai 2024.

Die Diskussionen, die sein Kollege Paul Roßberger rund um die Verlegung des Lamer Rettungswagens habe führen müssen, habe er zum Teil als etwas ungerecht empfunden. „Es gab und es gibt Gutachten, an denen einfach nicht zu rütteln ist. Das ist Fakt. Auch für uns Bürgermeister ist es nicht immer einfach, einen solchen Standort entweder zu gewinnen oder zu verlieren“, sagte Mühlbauer.

Wobei das Thema unter dem Strich nicht so gesehen werden dürfe, denn am Ende des Tages sei es ein Gewinn für die Region, wieder einen Rettungswagen vor Ort zu haben. 

Launige Worte zum Schluss

Mit launigen Worten blickte das Gemeindeoberhaupt auf die über rund zweieinhalb Jahre hinweg gelebte Zusammenarbeit seiner Bediensteten mit den Beschäftigten des Rettungsdienstes zurück, die interimsweise in den Räumen des Bauhofs untergebracht sind.

„Ich weiß gar nicht, wie das funktionieren soll, dass sich die Beteiligten wieder auseinandergewöhnen. Das war ein hervorragendes Miteinander“, stellte Mühlbauer fest.

Die Kontakte werden jedoch nicht abreißen und dürften in ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis münden. Denn: Das neue BRK-Domizil entsteht direkt auf dem angrenzenden Grundstück der Kommune…