Das Beispiel Willmering soll noch an vielen Orten Schule machenDas Beispiel Willmering soll noch an vielen Orten Schule machen

Das Beispiel Willmering soll noch an vielen Orten Schule machen

„Die Einrichtung hat einen sehr guten Ruf", sagt Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder über die BRK-Tagespflege und die Senioren-Wohngemeinschaft in Willmering. So kam es, dass die SPD-Politikerin am Mittwoch mit Heike Baehrens, der Pflegebeauftragten der Bundestagsfraktion, das Wohn- und Gesundheitszentrum in der Schulstraße besichtigte. Während Schieder in ihrem Heimatlandkreis Schwandorf Nachholbedarf beim Thema „Tagespflege" ausmacht, bescheinigt sie den Verantwortlichen der Region Cham, dass hier „schon einiges vorangegangen ist".

Von Frank Betthausen

Willmering. Marianne Schieder ist beeindruckt. Sie steht in der offenen Küche der Willmeringer Tagespflege und lauscht der innig singenden Gruppe älterer Damen und Herren. „Lustig ist das Zigeunerleben“, schallt es aus dem hellen Aufenthaltsraum herüber. „Eine wirklich gewinnende Einrichtung“, sagt die Bundestagsabgeordnete der SPD aus Wernberg-Köblitz leise.

Mit ihrer Parteikollegin Heike Baehrens, der Pflegebeauftragten der Bundestagsfraktion, und einer kleinen SPD-Delegation aus dem Landkreis besucht sie am Mittwochvormittag die Anfang 2020 eröffnete BRK-Einrichtung im Wohn- und Gesundheitszentrum in der Schulstraße. Auch die „Ambulant betreute Wohngemeinschaft“ des Roten Kreuzes im Stockwerk darüber steht an diesem Tag auf dem Besuchsprogramm.

Marianne Schieder (5. v. l.) und ihre Bundestags-Kollegin Heike Baehrens (3. v. r.) besichtigten mit einer kleinen SPD-Delegation aus dem Landkreis, Bürgermeister Hans Eichstetter (2. v. r.), Viktoria Dankerl von der Baufirma Dankerl aus Zifling (5. v. r.) und BRK-Vertretern das Wohn- und Gesundheitszentrum in der Schulstraße in Willmering.

„So ganz regulär läuft der Betrieb noch nicht, aber wir haben die Hoffnung, dass die Zeiten besser werden.“ Karin Soukup, Leiterin der Tagespflege in Willmering

Bei einem Rundgang stellen Karin Soukup, die Leiterin der Tagespflege, und Yvonne Luithardt von der BRK-Kreisgeschäftsstelle in Cham, Leiterin der Ambulanten Dienste, den Gästen die Räumlichkeiten vor. „So ganz regulär läuft der Betrieb noch nicht, aber wir haben die Hoffnung, dass die Zeiten besser werden“, sagt Soukup über den Umstand, dass sich die BRK-Familie in Willmering nur wenige Wochen nach der Eröffnung mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen konfrontiert sah.

Immerhin: Durch die großzügig geschnittenen Räume war es möglich, in dieser Zeit in der Gemeinde vor den Toren der Kreisstadt Cham eine Notbetreuung für die Tagespflegegäste aller vier teilstationären Einrichtungen des BRK-Kreisverbandes aufrecht zu erhalten, wie Soukup berichtet. Die Willmeringer Tagespflege bietet nach ihren Worten Platz für 15 Gäste. Aktuell sind davon zwischen zehn und 13 täglich belegt. Und: Die Impfquote, zeigt sie auf, liege bei Mitarbeitern und Gästen bei 100 Prozent.

Als die Besuchergruppe am Mittwoch die BRK-Tagespflege betrat, waren die Mitarbeiter und Gäste gerade am Musizieren und Singen.

Marianne Schieder hat für ihre Parteifreundin aus dem Bundestagswahlkreis Göppingen in Baden-Württemberg am Mittwoch eine straffe Pflege-Themen-Agenda mit weiteren Besuchen zusammengestellt – unter anderem in Neunburg vorm Wald und Pfreimd.

Wobei die Vorsitzende der Landesgruppe Bayern im Bundestag in ihren einleitenden Worten deutlich macht, dass im Landkreis Cham in Sachen Tagespflege schon einiges vorangegangen sei – und in Schwandorf noch Nachholbedarf bestehe.

„Die Einrichtung hat einen sehr guten Ruf“, sagt sie über das BRK-Angebot in Willmering und die Gründe, die Besichtigungstour in ihrem Wahlkreis dort zu beginnen. Und sie erklärt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in den nächsten Jahren einen beherzten Ausbau der Tagespflege-Angebote brauchen – auch im ländlichen Raum.“

Überhaupt werde die Pflege die größte gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft sein – und neben dem Klimaschutz „das größte Thema“ der Politik. „Eine Jahrzehnteaufgabe – und trotzdem müssen wir sie in Angriff nehmen“, meint Schieder.

Yvonne Luithardt zeigt der Runde vor diesem Hintergrund auf, dass beim BRK aktuell Gespräche laufen, über die fünf Tagespflege-Einrichtungen hinaus – das Angebot im Waldmünchner Pflegeheim ist im stationären Bereich angesiedelt – weitere Betreuungsmöglichkeiten im Landkreis zu schaffen.

„Wir merken einfach, dass die Nachfrage da ist“, sagt die Referatsleiterin und berichtet von „immer mehr berufstätigen Angehörigen“, die eine Entlastung bräuchten; genauso wie „alt gewordene Ehepartner“, wie Heike Baehrens ergänzt.

„Immer mehr berufstätige Angehörige brauchen eine Entlastung." Referatsleiterin Yvonne Luithardt

Bei all dem sieht Luithardt in der Tagespflege, die montags bis freitags von 7.30 bis 17 Uhr geöffnet ist, „gerade für Mütter gute Wiedereinstiegsmöglichkeiten in die Pflege“. Die Zeiten seien mit dem Familienbetrieb sehr gut kompatibel.

Hinzu kommt in Willmering die zentrale Lage der Tagespflege und der Wohngemeinschaft, von der Mitarbeiter, Gäste und Bewohner gleichermaßen profitieren. Viktoria Dankerl, Geschäftsführerin der Michael Dankerl Bau GmbH aus Zifling, die das Wohn- und Gesundheitszentrum errichtet hat, spricht in ihrem Rückblick auf die Planungs- und Bauphase von einem „idealen Standort“.

Karin Soukup (Mitte) hieß Marianne Schieder (rechts) und Heike Baehrens in der Willmeringer Tagespflege willkommen.

Rathaus, Kirche und Einkaufsmöglichkeiten liegen direkt in der Nähe – genauso wie Schule und Kindergarten, was generationenübergreifende Kooperationen ermöglicht… „Das ist ein Vorzeige-, ein Prestigeobjekt“, meint auch Bürgermeister Hans Eichstetter.

Das Vorhaben in Willmering sei ein Pilotprojekt der Firma gewesen, erzählt Dankerl. Im vergangenen Jahr habe ihr Betrieb in Nittendorf im Landkreis Regensburg eine weitere BRK-Tagespflege-Einrichtung realisiert.

Auf großes Interesse bei den Besuchern stößt beim Rundgang durch das Gebäude auch die „Ambulant betreute Wohngemeinschaft“. Sie bietet Platz für zwölf Mieter – aktuell sind neun Bewohner in der Schulstraße zu Hause –, die wie in einer großen Familie selbstbestimmt zusammenleben. Dennoch werden sie rund um die Uhr betreut. Jeder Bewohner hat sein eigenes Bad und ein selbst möbliertes Zimmer, in das er sich jederzeit zurückziehen kann.

Bei einem Rundgang stellten Karin Soukup, die Leiterin der Tagespflege (rechts), und Yvonne Luithardt von der BRK-Kreisgeschäftsstelle in Cham, Leiterin der Ambulanten Dienste (2. v. r.), den Gästen die Räumlichkeiten vor. Links die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Renate Hecht, neben ihr Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens

Zur Einrichtung gehören darüber hinaus eine Gemeinschaftsküche, ein Aufenthaltsbereich, eine Fernsehecke und eine Terrasse. Das Angebot des BRK in Willmering richtet sich sowohl an fittere Senioren als auch an solche, die etwas Unterstützung oder Hilfe im Alltag benötigen und sich daheim möglicherweise alleine fühlen, wie die Delegation bei ihrem Rundgang von Yvonne Luithardt erfährt.

Die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten reagieren auch auf dieses BRK-Angebot angetan. „Es wird für jede Gemeinde eine Herausforderung werden, so eine Einrichtung zu schaffen“, prognostiziert Marianne Schieder mit Blick auf den demografischen Wandel. Denn: Die wenigsten Menschen wollten „von zu Hause weg“.

Heike Baehrens macht in ihrem Fazit deutlich, dass die Tagespflege und das „Ambulant betreute Wohnen“ in ihren Augen „ein wichtiger Baustein“ der Pflegelandschaft sind. „Wir brauchen dieses gestufte Angebot – damit man den Menschen in ihren Bedürfnissen und Wünschen, die sie haben, gerecht wird“, sagt sie.