
Über vier Wahlperioden hinweg brachte sich Dieter Müller als Leiter der BRK-Bereitschaft Waldmünchen in seiner Heimatstadt ein. Warum er sein Ehrenamt immer gern ausgeübt hat? „Es hat Spaß gemacht. Der Zusammenhalt untereinander hat ganz viel ausgemacht. Man hat selten eine Absage bekommen“, sagt er. Dass er Ende 2025 seine Tätigkeit im Rettungsdienst einstellen musste, schmerzt ihn.
Von Frank Betthausen
Waldmünchen. 16 Jahre sind eine lange Zeit – erst recht im Ehrenamt und in verantwortlicher Funktion. Für Dieter Müller sind die vier Wahlperioden, in denen er sich als Leiter der BRK-Bereitschaft Waldmünchen engagiert hat, dennoch wie im Flug vergangen. „Die Zeit ist wahnsinnig schnell um gewesen. Man ist ja immer beschäftigt“, sagt er in der Rückschau.
Im April ist es ein Jahr her, dass er sich aus der ersten Reihe zurückgezogen und sein Amt in jüngere Hände übergeben hat. Seitdem steht Julia Allwicher mit ihrer Stellvertreterin Franziska Babl, die sich schon an Müllers Seite eingebracht hatte, der Gemeinschaft in der Trenck-Stadt vor.
Wie es ihm ohne die Führungsrolle geht? Der 44-Jährige empfindet immer noch eine gewisse Erleichterung darüber, dass sich seine Wunschkandidatin Allwicher bereiterklärt hatte, seine Nachfolge zu übernehmen – und dass Babl weitergemacht hat. Gleichzeitig ist er froh, sich weiterhin mit seinen Themen und seiner Erfahrung einbringen zu können.
Ich bin noch nicht ganz draußen und bin bei gesellschaftlichen Anlässen mit eingespannt – etwa bei Gemeinschaftsabenden.
Dieter Müller
„Ich bin noch nicht ganz draußen und bin bei gesellschaftlichen Anlässen noch mit eingespannt – etwa bei Gemeinschaftsabenden“, erzählt er. Oder beim großen Sanitätsdienst rund um das Neujahrs-Skispringen in Garmisch-Partenkirchen, das immer sein „Baby“ war! Die Aktiven aus Waldmünchen begleiteten mit ihm das Großereignis heuer zum 15. Mal…
Bei diesen intensiven Kontakten nach Oberbayern verwundert es wenig, dass Müller die Alpinen Skiweltmeisterschaften, die 2011 im Werdenfelser Land stattgefunden hatten, bis heute als eines der „schönsten Großereignisse“ seiner Bereitschaftszeit in Erinnerung hat.
Das 100-jährige Bestehen der Gemeinschaft 2024 sei ebenfalls herausragend und erlebnisreich gewesen. „Auch wenn ich es als Festleiter selbst nicht richtig genießen konnte“, meint Müller mit einem Schmunzeln.

An eine Reihe von Übungen denkt er ebenso gerne zurück – beispielsweise die aufwändige, spektakuläre Evakuierung des Waldmünchner Seniorenheims.
Warum er sein Amt immer gern ausgeübt hat? „Es hat Spaß gemacht. Der Zusammenhalt untereinander hat ganz viel ausgemacht. Man hat selten eine Absage bekommen. Die Leute waren immer da, wenn sie gebraucht wurden“, betont der überzeugte Rot-Kreuzler und bezieht diese Aussage auf die traditionellen Marktplatzfeste genauso wie auf das Einsatzgeschehen. „Es gab kaum einen Anlass, bei dem wir nicht hätten ausrücken können.“
Ein Dank an die Stellvertreter
Zu besonderem Dank fühlt er sich seinen Stellvertretern in den vergangenen 16 Jahren verpflichtet: Andrea Wittmann, Nikolaus Scherr und Franziska Babl. „Ohne sie wäre all das so nicht möglich gewesen.“
Als Dieter Müller 2009 erstmals den Posten des Bereitschaftsleiters übernahm – sein Vorgänger war Andreas Gabriel –, kam ihm entgegen, dass er seit 2005 bei der Feuerwehr Waldmünchen als Schriftführer wertvolle Erfahrungen in der Vorstandsarbeit gesammelt hatte. So fiel es ihm leichter, sich in seine Aufgaben und Verpflichtungen „hinzuzuwühlen“.
Die Arbeit im Ehrenamt hat, seitdem ich selbstständig war, besser funktioniert als vorher.
Dieter Müller
Ein Glücksfall war für ihn in vielerlei Hinsicht der Schritt in die Selbstständigkeit. Seit 2011 betreibt Müller in Waldmünchen ein Büro für Bauplanung und Statik mit zwei Beschäftigen.
Bis dahin war der gelernte Bauzeichner, der sich zum Bautechniker weiterqualifiziert hatte, bei der Firma Ludwig Schierer in Cham tätig gewesen. In der Corona-Zeit hatte er nebenberuflich ein Studium im Bereich Bauingenieurwesen draufgesattelt.
„Die Arbeit im Ehrenamt hat, seitdem ich selbstständig war, besser funktioniert als vorher“, erinnert sich der 44-Jährige – nicht zuletzt, weil er flexibler war und plötzlich auch tagsüber Termine übernehmen konnte.
Bei seiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Rettungsdienst kamen ihm diese „Freiheiten“ zusätzlich entgegen. Dort – seit 2002 stand Müller in seiner Freizeit als Rettungsdiensthelfer in den Schichtplänen der Waldmünchner Wache – schlug sein Herz fürs BRK besonders laut. „Ich habe vor allem den direkten Kontakt zu den Menschen sehr geschätzt“, sagt er.

Umso schwerer wog es für ihn, dass er dieses Kapitel zum Jahreswechsel nach 24 erlebnis- und ereignisreichen Jahren schließen musste. Am 31. Dezember bestieg er letztmals einen Rettungswagen, um in seiner Heimatstadt Dienst zu tun.
Nach entsprechenden Änderungen im Bayerischen Rettungsdienstgesetz gilt für Müllers bisheriges Aufgabenfeld seit dem 1. Januar 2026 der Rettungssanitäter-Status als Mindestqualifikation.
„Das war schon hart. Das war mehr als die Hälfte meines Lebens“, hält Müller mit Bedauern fest. Erst recht, als seine Flexibilität im Job an dieser Stelle nicht ausreicht, um die entsprechende Ausbildung anzupacken.
Ausbildung wäre zu zeitaufwändig
„Der Rettungssanitäter kommt für mich durch meine berufliche Belastung nicht in Frage. Die 520 Stunden mit den geforderten Praktika könnte ich mit meiner Selbstständigkeit nicht in Einklang bringen“, sagt er.
Den Kopf in den Sand stecken will Dieter Müller trotzdem nicht. Dafür ist ihm das Rote Kreuz zu wichtig, dafür bringt er sich zu lange dort ein – und dafür ist ihm auch viel zu sehr an einer lebendigen Verbindung zwischen Haupt- und Ehrenamt gelegen. Um sie möchte er sich weiterhin bemühen…