Gegen den Jahn schoss Elias drei Tore für den ASV und seinen Papa

Sandra Mühlbauer
Eine Aktion, die so nicht geplant war und sich in der Halbzeitpause spontan ergab: Zusammen mit ihren Trainern Johannes Standecker (hinten rechts) und Michael Lamecker (hinten links) begleiteten Elias’ Mannschaftskameraden ihren Teamkollegen für ein Gruppenbild geschlossen zu seinem Vater.

Christian Holzapfel aus Miltach ist schwer an Krebs erkrankt. Sein Traum wäre es gewesen, mit seinem Sohn Elias noch einmal zu einem Spiel der Bayern in die Allianz Arena zu fahren. Da sich sein Gesundheitszustand zu schnell verschlechterte, brauchte es einen Plan B. Drei BRK-Kollegen begleiteten den 51-Jährigen so im Herzenswunsch-Hospizmobil zu einer Heimpartie der U12 des ASV Cham, für die Elias aufläuft.

Von Frank Betthausen

Cham. Christian Holzapfel (51) und sein Sohn Elias (11) sind fußballverrückt. Der Sport hat sie schon immer verbunden. Gemeinsam sind sie regelmäßig zu Spielen des FC Bayern München in der Allianz Arena aufgebrochen – zuletzt im Mai 2025. 

Seite an Seite haben die beiden Oberndorfer damals in der Südkurve gestanden, als in dem riesigen Stadion die Meisterschaftsfeier ihres Lieblingsvereins stattfand und sich Club-Legende Thomas Müller von den Fans verabschiedete...

Und: Dem Vater war es immer eine Herzensangelegenheit, seinem talentierten Sohn, der bis zum vergangenen Jahr – bis zu seinem Wechsel zum ASV Cham – für die SG Zandt/Vilzing die Fußballschuhe schnürte, zuzuschauen.

In den zurückliegenden Monaten war all das nicht mehr möglich. Christian Holzapfel ist Mitte 2024 – kurz vor seinem 50. Geburtstag – an Krebs erkrankt. Sein Gesundheitszustand hat sich seit dem Jahreswechsel 2025/2026 rapide verschlechtert. 

Seit Mitte Januar ist er bettlägerig – bis dahin konnte er das Haus zumindest im Rollstuhl noch verlassen…

 Ein Stadionbesuch wäre durch die Voraussetzungen vor Ort nur mit dem Rollstuhl möglich gewesen – und nicht als Liegendtransport, den es hier gebraucht hätte. Damit hat sich die München-Reise bedauerlicherweise nicht mehr realisieren lassen. 

Stellvertretender Rettungsdienstleiter Tobias Muhr

Sein sehnlichster Wunsch wäre es gewesen, mit Elias in München noch einmal ein Spiel der Bayern zu erleben. Aber: Seine Kräfte hätten dafür nicht mehr gereicht. Besuche in der Allianz Arena sind außerdem – insbesondere wegen der vielen Treppen – liegend und mit der Krankentrage nicht möglich.

So setzte die Familie mit Freunden und dem BRK Cham am Wochenende einen Plan B um. Die ehrenamtlichen Rot-Kreuz-Mitarbeiter Heike Blasini sowie Helene und Peter Filimon holten den 51-Jährigen mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil zu Hause ab und begleiteten ihn zum Sportzentrum des ASV im Quader.

Dort verfolgte er ein Testspiel der U12 in der Förderliga 2 gegen den SSV Jahn Regensburg und dessen U11. Mit 10:3 behielt die Truppe von Cheftrainer Johannes Standecker und Co-Trainer Michael Lamecker gegen den Gast aus der Bezirkshauptstadt die Oberhand.

Elias, der als Sechser im Mittelfeld aufläuft, schoss drei Tore – für seinen Verein und seinen Papa am Spielfeldrand.

Sandra Mühlbauer
Familienfoto mit BRK-Kollegen: Heike Blasini (2. von links) sowie Helene Filimon (rechts) und ihr Mann Peter (4. von rechts) ermöglichten Christian Holzapfel den Besuch bei seinem Sohn Elias. Mit auf dem Bild Mama Birgit (3. von links) und Elias’ Bruder Simon (3. von rechts) mit seiner Freundin Anna-Maria Stahl (2. von rechts). Die Aufnahme zeigt außerdem Christian Holzapfels Vater Rudi (hinten, 5. von links) und seinen Schwiegervater Sepp Speckner (links).

Christian Holzapfels Diagnose kommt im Juni 2024 aus dem Nichts… Im August möchte er mit seiner Frau Birgit sowie Elias und dessen älteren Brüdern Simon (16) und Bastian (19) seinen 50. Geburtstag feiern. 

Nicht irgendwo – in den USA! 

„Das war sein großer Traum. Es war alles schon geplant – aber es ist leider nichts mehr geworden. Stattdessen kämpfen wir jetzt seit eindreiviertel Jahren“, erzählt Birgit Holzapfel (48), die als Grundschullehrerin in Miltach arbeitet.

Ihr Mann, der bald 25 Jahre Feuerwehr-Kommandant in Oberndorf war, sich in der Kirchenverwaltung engagierte und als Produktionsleiter bei der Firma Zollner in Altenmarkt beruflich erfolgreich war, wird mit voller Wucht aus dem Alltagsleben gerissen.

Ein ständiges Auf und Ab

Es folgen Chemotherapien, zwei Operationen, Bestrahlungen… Ein Auf und Ab aus Hoffen und Bangen, aus guten und aus schlechten Tagen… „Jetzt kann der Körper nicht mehr“, sagt Birgit Holzapfel, die seit diesem Schulhalbjahr zu Hause ist, um sich um ihren Mann zu kümmern.

Mittlerweile wird Christian Holzapfel, der im Herbst noch die Bürgermedaille der Gemeinde Miltach in Empfang genommen hatte, von der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung der PALLIAMO gGmbH betreut. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit…

 Das wäre Christian zu viel geworden. So sind wir draufgekommen, Elias nochmal zuzuschauen. 

Ehefrau Birgit Holzapfel

Weil ihm seine Situation bewusst war, sprach er Anfang Februar Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Helene Filimon, eine langjährige Freundin der Familie – sie war zu Besuch in Oberndorf –, an. „Ihr habt doch dieses Herzenswunsch-Mobil. Ich würde gerne noch einmal mit Elias nach München in die Allianz Arena“, sagte er.

Filimon gibt den Wunsch an Projektleiter Tobias Muhr weiter. Der stellvertretende Rettungsdienstleiter kümmert sich um die Organisation der Fahrten, mit denen der BRK-Kreisverband Menschen in fordernden Lebensumständen Freude bereiten möchte.

Muhr nimmt Kontakt mit dem FC Bayern auf, schreibt E-Mails, klärt die Details, vereinbart einen Termin…

Doch wie so oft kommt alles anders. „Leider hat sich der Gesundheitszustand unseres Fahrgasts sehr schnell verschlechtert. Ein Stadionbesuch wäre durch die Voraussetzungen vor Ort nur mit dem Rollstuhl möglich gewesen – und nicht als Liegendtransport, den es hier gebraucht hätte. Damit hat sich die Reise nach München bedauerlicherweise nicht mehr realisieren lassen“, erklärt der BRK-Verantwortliche.

Sandra Mühlbauer
„Meinem Mann hat das unwahrscheinlich gutgetan“, sagte Birgit Holzapfel nach dem Fußball-Erlebnis in Cham.

Am Ende ist das jedoch ganz im Sinn von Birgit Holzapfel. „Das wäre Christian zu viel geworden. So sind wir draufgekommen, Elias nochmal zuzuschauen“, berichtet sie. 

Der Elfjährige war 2025 zum ASV gewechselt, gehört dem Nachwuchsleistungszentrum in Cham an und macht mit seinen engagierten Aufritten auf dem Platz nicht nur seinen Eltern, sondern auch seinen Trainern Freude.

Die Terminauswahl – lang warten kann und möchte die Familie nicht mehr – fällt auf den 15. März. Elias’ Mannschaft absolviert an diesem Sonntag einen Test gegen den SSV Jahn Regensburg…

Unsicherheit bis zum Schluss

Bis kurz vor Fahrtantritt steht nicht fest, ob sich Christians Herzenswunsch umsetzen lässt. Der Oberndorfer kämpft sehr mit den Folgen seiner Krankheit. Aber: Silke Geiger, Palliative Care-Fachkraft bei Palliamo, tut alles, was in ihrer Macht steht, um ihrem Patienten diesen einen letzten Ausflug zu ermöglichen.

So holen Heike Blasini, Helene Filimon und ihr Mann Peter den 51-Jährigen mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil zu Hause ab, bringen ihn in den Quader nach Cham und sind dort die ganze Zeit an seiner Seite. Gemeinsam mit Birgit, Sohn Simon und dessen Freundin Anna-Maria Stahl, Christians Vater Rudi Holzapfel, Schwiegervater Sepp Speckner und anderen Verwandten…

 Es war sehr emotional, weil wir alle wussten, es war das letzte Mal für Christian, dass er live bei einem Spiel dabei ist. 

BRK-Mitarbeiterin Helene Filimon

Sandra Mühlbauer
Die Verwandtschaft von Christian Holzapfel – allen voran Sohn Simon (4. von rechts), aber auch Schwäger und Onkel waren gekommen – half dem Herzenswunsch-Team des BRK zum Teil beim Tragen vor Ort.

„Es war sehr emotional, weil wir alle wussten, es war das letzte Mal für Christian, dass er live bei einem Spiel dabei ist“, erzählt Helene Filimon.

Elias ist durch die besonderen Umstände noch motivierter als sonst. Mit der Nummer 16 auf dem Rücken steuert er drei Tore zum 10:3-Heimsieg seiner Mannschaft bei, die ihren Teamkollegen in der Halbzeitpause geschlossen zu seinem Vater begleitet. 

Ganz spontan entsteht ein Foto, das dem Jungen immer eine besondere Erinnerung an seinen Papa sein wird… 

Auch dem Rest der Familie wird der Tag im Gedächtnis bleiben. „Meinem Mann hat das unwahrscheinlich gutgetan“, freut sich Birgit Holzapfel. „Ich bin so froh, dass wir das gemacht haben, das war wirklich eine super Sache. Ich kann mich beim BRK nur von Herzen bedanken.“