Gemeinsame Initiative für den Rettungsdienst an der Grenze

Frank Betthausen
Gerhard Hopp (3. von rechts) stellte BRK-Kreisvorsitzendem Theo Zellner (2. von links), BRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner (rechts), Rettungsdienstleiter Dominik Lommer (links) und GüRD-Projektleiter Manfred Maurer (2. von rechts) seinen 12-Punkte-PlanPLUS vor. Michael Multerer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags (3. von links), nutzte die Gelegenheit, sich über die grenzüberschreitende Rot-Kreuz-Arbeit in Furth im Wald zu informieren.

Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp stellte BRK-Vertretern in Furth im Wald seinen 12-Punkte-PlanPLUS vor, der die Vernetzung mit Tschechien voranbringen soll. Den Verantwortlichen sicherte er seine Unterstützung zu, wenn es darum geht, das Kompetenz- und Koordinierungszentrum in der Drachenstich-Stadt über das Jahr 2026 hinaus zu erhalten.

Von Frank Betthausen

Furth im Wald. Gerhard Hopp ist ein glühender Verfechter des europäischen Gedankens und hat sich seit Jahren vor allem die Zusammenarbeit mit den Nachbarn in Tschechien auf die Fahnen geschrieben. 

Um die Bedeutung „seiner Herzensangelegenheit“ hochzuhalten, hat der CSU-Politiker aus Runding im August gemeinsam mit dem Europa-Abgeordneten Christian Doleschal einen 12-Punkte-PlanPLUS vorgelegt, der die Vernetzung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik weiter voranbringen soll. 

„Wir wollen stabile Brücken bauen und die Grenzregionen gerade in diesen Zeiten krisenfest machen“, beschreibt der Landtagsabgeordnete die Initiative, an der er auch als Koordinator der bayerisch-tschechischen Parlamentsbeziehungen arbeitet. 

Vom Ausbau der Infrastruktur über einen gemeinsamen Wirtschaftsraum bis hin zur Stärkung der Sprachkompetenz reicht das Aufgabenfeld, das er mit Nachdruck „beackert“.

Austausch über Ideen und Ziele

Da der Thematik auch beim BRK Cham mit dem Kompetenz- und Koordinierungszentrum für den grenzüberschreitenden Rettungsdienst (CCC) zwischen Bayern und Tschechien seit 2016 große Bedeutung geschenkt wird, lag es für Hopp nahe, das Rettungszentrum in Furth im Wald zu besuchen und sich mit Vertretern des Roten Kreuzes – an der Spitze Kreisvorsitzender Theo Zellner – über seine Überlegungen und Ziele auszutauschen.

Zellner nutzte die Gelegenheit – an der Gesprächsrunde nahm auch Michael Multerer als Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und BRK-Kreisvorstandsmitglied teil –, seine „massiven Sorgen“ zur Zukunft des Grenzüberschreitenden Rettungsdienstes (GüRD) anzubringen. 

Denn: Die Frage, wie die Arbeit, die Bayern und seine Nachbarn in Rettungsdienst-Belangen in den vergangenen zehn Jahren eng zusammengeführt hat, dauerhaft finanziert werden soll, ist völlig offen – zum wiederholten Mal. 

Ende 2026 läuft das dritte INTERREG-Projekt in der Drachenstich-Stadt aus, womit ein wesentlicher Pfeiler bei den Geldmitteln wegbrechen würde…

„Wir sind an einer Stelle angelangt, wo die Politik gefordert ist. Mich treibt das Thema wirklich um. Wir müssen die Finanzierung 2026 auf sichere Beine stellen“, betonte der langjährige BRK-Präsident und sprach von einer „Erfolgsgeschichte par excellence“. Die Arbeit von Projektleiter Manfred Maurer und seinem Team habe sich längst bewährt.

Es ist einer seiner Lieblingsorte

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Zellner das CCC in Furth im Wald als einen seiner „Lieblingsorte – weil an dieser Stelle Grenzen überwunden werden, um Leben zu retten und Gesundheit zu erhalten“. 

Und diese Entwicklung sei noch lange nicht am Ende. „Wir sehen nach wie vor enormen Handlungsbedarf“, betonte der Altlandrat und nannte nicht zuletzt den Bereich der Krankenhäuser. „Wenn wir die tschechischen Kliniken in den Rettungsverbund einbeziehen, könnten wir die Rettungsdienstfristen erheblich verkürzen“, meinte er.

 Die Themen Grenze, Europa und grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind in den Metropolen nach wie vor bei weitem nicht so verankert, wie wir uns das wünschen würden. 

MdL Gerhard Hopp

Tereza Homolková
Gerade im Bereich der Krankenhäuser sieht Theo Zellner noch großen Handlungsbedarf. „Wenn wir die tschechischen Kliniken in den Rettungsverbund einbeziehen, könnten wir die Rettungsdienstfristen erheblich verkürzen“, ist der BRK-Kreisvorsitzende überzeugt.

Gerhard Hopp, der seinen 12-Punkte-PlanPLUS in den vergangenen Monaten bei einer Reihe von Verbänden in der Region vorgestellt hatte – etwa bei der IHK, der Handwerkskammer oder dem VdK –, sicherte dem BRK seine Unterstützung bei weiteren Gesprächen und Initiativen zu. 

„2026 wird das entscheidende Jahr. Wir müssen hier gemeinsam ansetzen und überlegen, wie wir das Zentrum am Leben erhalten“, erklärte er. Und er fügte hinzu: „Wir müssen die Chance, die wir in Rettungsdienstfragen heute haben – nämlich, dass es keine Grenzen mehr gibt –, nutzen.“

„Effektive Koordination“

Der Unterpunkt „Grenzenloses Helfen“ ist eine der zwölf Stoßrichtungen, die er zusammen mit Christian Doleschal verfolgt. In dem Papier der Christsozialen heißt es dazu: „Wir wollen effektive grenzüberschreitende Koordination bei den Rettungsdiensten und im Katastrophenschutz sowie zur Grenzsicherung. Bislang bestehende rechtliche Fragen der Finanzierung und Haftung müssen gerade im Bereich der Krisen- und Gesundheitsversorgung im Staatsvertrag geregelt werden.“

Letzterer ist für Hopp das Fernziel. Gemeinsam mit seinem Parteifreund aus Brüssel schlägt er vor, einen Donau-Moldau-Vertrag „als neuen deutsch-tschechischen Freundschafts- und Staatsvertrag“ abzuschließen. Als Vorbild sehen die beiden den Elysée-Vertrag zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland.

Stabilität in Krisenzeiten

Mit ihrem 12-Punkte-Plan, den sie im Sommer 2025 unter dem Motto „Die Grenzregionen krisenfest machen!“ aktualisiert beziehungsweise fortgeschrieben hatten, waren die Abgeordneten erstmals vor fünf Jahren an die Öffentlichkeit gegangen.

Mit der Einrichtung einer Jugendstiftung, der Etablierung eines Beirates sowie eines Koordinators der Staatsregierung oder der Schaffung von Sprachprofilschulen Tschechisch sei man wichtige Schritte vorangekommen, sagte Hopp.

Die Bretter sind weiter dick

Dennoch sind immer noch dicke Bretter zu bohren, wie er im Dialog mit der Rot-Kreuz-Familie verdeutlichte. „Die Themen Grenze, Europa und grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind in den Metropolen nach wie vor bei weitem nicht so verankert, wie wir uns das wünschen würden“, stellte er fest. 

„Wir müssen uns daher immer wieder selbst zu Wort melden, für uns werben und für unsere Anliegen eintreten, um ein Grundverständnis zu erreichen.“ Die bayerisch-tschechischen Grenzregionen seien der Motor der deutsch-tschechischen Partnerschaft.