„Mit dem Roten Kreuz verbindet man über viele Jahre hinweg deinen Namen“

Dominik Lommer
Hans Schneider (rechts) und seine Frau Renate (mit Blumen) freuten sich sehr über den Besuch der Rot-Kreuz-Delegation am Katzberg. Die Runde der Gratulanten führte Kreisvorsitzender Theo Zellner (2. von links) mit seiner Gattin Inge an. Dem Jubilar wünschten außerdem Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner (links), 2. stellvertretender Kreisvorsitzender Karl Holmeier (5. von links), Schatzmeister Franz Wittmann (3. von links), Justitiar Georg Kuchenreuter (5. von rechts), Referatsleiter Stefan Raab (2. von rechts) und Katastrophenschutzleiter Tobias Muhr (3. von rechts) alles erdenklich Gute. Später stieß auch noch stellvertretende Chefärztin Dr. Johanna Etti hinzu (nicht auf dem Bild).

Eine BRK-Delegation mit Theo Zellner an der Spitze gratulierte dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Dr. Hans Schneider zum 80. Geburtstag. Der frühere Chefarzt der Anästhesie am Chamer Krankenhaus habe unglaublich große Verdienste um die Entwicklung des Gesundheitswesens in der Region, würdigte der Altlandrat den Jubilar. Für das BRK sei Schneider über vier Jahrzehnte hinweg ebenfalls eine „ganz große Stütze“ gewesen.

Von Frank Betthausen

Cham. Seine Weggefährten beim BRK schätzen ihn für seinen feinen, ehrlich-treffenden Humor, seinen sachlich-analytischen Verstand, seine Loyalität, seine Bodenständigkeit und seine Menschlichkeit: Dr. Hans Schneider, seit 41 Jahren stellvertretender Vorsitzender des BRK-Kreisverbands, hat in Cham seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Eine Delegation aus Vorstandsmitgliedern und Rot-Kreuz-Führungskräften – an der Spitze Kreisvorsitzender Theo Zellner – besuchte den früheren Chefarzt der Anästhesie am Chamer Krankenhaus zu Hause am Katzberg, um ihm die besten Wünsche zu seinem Ehrentag und ein Präsent zu überbringen.

Schneider, würdigte Zellner seinen 1. Stellvertreter, habe sich seit 1985 um das BRK im Landkreis Cham in hohem Maß verdient gemacht. „Mit dem Roten Kreuz verbindet man über viele Jahre hinweg deinen Namen“, erklärte der frühere BRK-Präsident, der dem Jubilar von Herzen für dessen Wirken dankte.

Ein Mensch, auf den Verlass ist

„So etwas wie dieses Amt als Kreisvorsitzender ist nur zu schaffen, wenn man Leute um sich hat, auf die totaler Verlass ist und die den Weg mitgehen“, sagte Zellner.

In seiner Rolle als Altlandrat bescheinigte er dem mit seiner Expertise bis heute gefragten Mediziner, dass er als Anästhesist für die Landkreis-Politik und die Gesellschaft ein gefragter Ansprechpartner und gewichtiger Ratgeber gewesen sei.

Als Chefarzt habe Schneider die Entwicklung des Krankenhauswesens im Landkreis Cham „an der praktischen Stelle“ maßgeblich mit beeinflusst. Der 80-Jährige habe unglaublich große Verdienste um die Entwicklung des Gesundheitswesens in der Region. Nicht zuletzt dafür hatte er 2014 das Bundesverdienstkreuz erhalten. 

 Wenn du immer feste Behauptungen aufstellst, ist das der falsche Ansatz. Man muss in meinen Augen immer eine Möglichkeit dafür offenlassen, dass es auch anders sein könnte. 

Dr. Hans Schneider

Für das BRK sei Schneider über vier Jahrzehnte hinweg ebenfalls eine „ganz große Stütze“ gewesen. „Du hast nie einfach nur im Vorstand gesessen, Du hast nachgefragt, dich aufrichtig interessiert und bist immer mit allen maßgeblichen Entscheidern unterwegs gewesen“, sagte der Bad Kötztinger, der Schneiders Frau Renate einen Blumenstrauß überreichte – als Anerkennung für ihren Rückhalt.

Wer sich die Zahlen des Kreisverbands mit seinen heute rund 750 hauptamtlich Beschäftigten und dem aktuellen Haushaltsvolumen von mehr als 42 Millionen Euro anschaue, könne nur von einer „absoluten Erfolgsgeschichte“ sprechen, an der Schneider mitgeschrieben habe.

„Darauf können wir stolz sein“

„Darauf können wir alle miteinander stolz sein“, betonte Zellner mit Blick auf die versammelten Gratulanten aus den Reihen des ehrenamtlichen Vorstands und die Vertreter der Führungsriege, allen voran Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner.

Im lockeren Gespräch mit seinen Gratulanten schimmerte im Anschluss viel von Schneiders Einstellungen und Denkweisen durch. Befragt nach seinem Lebensmotto, schlug der gebürtige Hemauer beispielsweise eine Brücke zu seinem früheren Beruf.

Ein Plädoyer für Alternativen

„In der Medizin wird dir schnell klar: Wenn du immer feste Behauptungen aufstellst – etwa, ein Patient lebt noch so und so lang –, ist das der falsche Ansatz. Man muss in meinen Augen immer eine Möglichkeit dafür offenlassen, dass es auch anders sein könnte. Man darf nicht alternativlos denken“, bekräftigte er.

In dem Moment, in dem eine Person andere Optionen ins Auge fasse, zeige sich eine besondere Form der Solidarität – erst recht, wenn jemand eine andere Meinung zulasse und sie prüfe. 

„Und wie oft stellt man fest, dass der andere nicht nur auch Recht hat, sondern mir eine positive Ergänzung zu dem bietet, was ich bisher geglaubt habe“, sagte der 80-Jährige, der sich zeit seines Lebens intensiv mit dem Thema der Evolution auseinandergesetzt hatte. 

Frank Betthausen
Seit mehr als 40 Jahren nimmt Hans Schneider für das BRK im Landkreis Cham Termine wahr – von Vorstandssitzungen über die Unterzeichnung von Schulsanitätsdienst-Kooperationen bis hin zu großen und kleinen Feierlichkeiten. Das Bild zeigt ihn bei einem Geburtstagsempfang für Theo Zellner mit der früheren BRK-Präsidentin Angelika Schorer.

Ein Bereich, in dem er immer wieder Anleihen für seine Überzeugung gefunden hat, dass sich alles konstant vom Gestern ins Jetzt und weiter ins Morgen weiterentwickelt und permanenter Veränderung unterliegt. „Das beharrende Element ist nicht richtig“, erklärte Schneider.

Vom erwähnten Gedanken der Solidarität, vom Ansinnen, „mit dem anderen mitzufühlen und ihm zu helfen“, lebe das Rote Kreuz. Der Sozialverband sei eine „ganz fantastische Gemeinschaft“, die ihn trage – in besonderer Weise in Cham. 

„Wenn die Gemeinschaft in unserem Kreisverband anders wäre, weiß ich nicht, ob ich noch dabei wäre. Aber das ist so ein positives Miteinander, in dem einer den anderen stärkt und in dem einer dem anderen hilft, dass es da für mich bis heute nichts zu überlegen gab“, beteuerte der frühere CSU-Stadtrat (1990 bis 2008), der sich darüber hinaus mehr als 20 Jahre in der Kirchenverwaltung der Pfarrei Sankt Josef engagiert hatte.

Mit vier Geschwistern aufgewachsen

Schneider, der vier Geschwister hatte – seine beiden Brüder sind bereits gestorben, die Schwestern leben noch –, war mit elf Jahren aus Hemau ans Internat der Maristen-Schulbrüder in Cham gekommen. 1966 machte er Abitur am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium.

Direkt nach dem Schulabschluss nahm er in Würzburg sein Medizin-Studium auf und trat danach in der unterfränkischen Bezirkshauptstadt als vorläufiger Stabsarzt in die Bundeswehr ein. An der Uni-Klinik erwarb er seine Qualifikation als Anästhesist und wechselte 1980 auf eine Empfehlung hin ans Krankenhaus nach Cham.

 Die Schnitzerei war wie gemacht für mich. 

Dr. Hans Schneider

Dort war er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende Januar 2011 ununterbrochen tätig. Die Lücke nach seinem Abschied schloss er selbst, indem er für einige Jahre als Honorararzt weiterwirkte. „Ich war reichlich beschäftigt“, erzählte Schneider, der mit seiner Renate seit 1993 in zweiter Ehe verheiratet ist. 

Seine erste Frau, die ihm drei Töchter schenkte – dazu kommt der Sohn seiner heutigen Partnerin –, hatte er 1988 durch eine schwere Krankheit verloren. Seinen „angeheirateten Enkel“ hinzugerechnet, hat Schneider insgesamt fünf Enkelkinder.

Sein größtes und einziges echtes Hobby – das Schnitzhandwerk, mit dem er sich in der Kreisstadt einen Namen gemacht hat – begleitete ihn sein ganzes Berufsleben lang. Die Leidenschaft hatte er als junger Mediziner in der Zeit entdeckt, in der er seine Familie gründete…

Eine gute Weihnachtstradition

Alle Figuren für die Weihnachtskrippe zu kaufen, erschien ihm damals zu teuer. „So habe ich das Schnitzen allein und ohne Anleitung ausprobiert“, berichtete er mit einem Augenzwinkern. 

Das Ergebnis kann sich bis heute vielfach sehen lassen. Traditionell beschenkt er in der Vorweihnachtszeit Freunde und Bekannte mit selbst kreierten Krippenfiguren – insbesondere Schafen.

„Die Schnitzerei war wie gemacht für mich“, meinte Schneider vor seinen Geburtstagsgästen. Durch seine häufigen Bereitschaftsdienste musste er sich in einer Zeit, in der es noch keine Handys gab, zuverlässig in der Nähe des Telefons aufhalten. Da kam nur ein Hobby im Haus beziehungsweise auf dem eigenen Grundstück in Frage…

 Die Gemeinschaft ist in Auflösung begriffen, keiner ist mehr für den anderen da, jeder streitet mit dem anderen. 

Dr. Hans Schneider

Seit seinem endgültigen Wechsel in den Ruhestand – „seit sieben, acht Jahren“ – ist er nach eigenen Angaben nie ohne Arbeitsvorhaben in der Werkstatt. Das hat nicht zuletzt mit den Projekten zu tun, die er gemeinsam mit seinem Freund Franz Rackl verwirklicht. 

Die beiden Künstler haben neben zwei markanten Werken, die den Lehrsaal des BRK-Rettungszentrums und das Foyer der BRK-Kreisgeschäftsstelle zieren, unter anderem viel beachtete Holzfiguren für die Krippe im Kalvarienberg-Kirchlein geschaffen.

Engagement für die Allgemeinheit, das Hans Schneider immer ein Herzensanliegen war! Und das ihn viele gesellschaftliche Entwicklungen sorgenvoll-kritisch sehen lässt…

Kritik am Egoismus dieser Zeit

„Die Gemeinschaft ist in Auflösung begriffen, keiner ist mehr für den anderen da, jeder streitet mit dem anderen – auch wegen Kleinigkeiten, keiner will zurückgehen – das schlägt sich auf ganz viele Bereiche durch“, äußerte der Chamer im Austausch mit seinen Gratulanten großes Bedauern.

Alle zeigten auf die Politik, aber niemand weise darauf hin, dass sich auch die Bürger in ihren Erwartungen und ihrer Grundgesinnung verändert hätten. Die Menschen seien selbstsüchtiger geworden und hätten sehr häufig die Devise: „Es steht mir zu“. 

Dabei lebe jeder als Teil einer Gemeinschaft von der Gemeinschaft. „Das scheint heute unterzugehen und vergessen zu werden“, beklagte Schneider.

Eine Aussage, die verdeutlichte, warum seine Weggefährten beim BRK seinen sachlich-analytischen Verstand schätzen…

Dominik Lommer
Hans Schneider und Karl Holmeier (links) bilden beim BRK Cham das erfolgreiche Stellvertreter-Duo von Theo Zellner. „So etwas wie dieses Amt als Kreisvorsitzender ist nur zu machen, wenn man Leute um sich hat, auf die totaler Verlass ist und die den Weg mitgehen“, hielt der Altlandrat am Geburtstag von Schneider fest.

Die Rot-Kreuz-Vita von Dr. Hans Schneider

  • Mitgliedschaften: Dr. Hans Schneider ist dem BRK Cham seit 45 Jahren eng verbunden. Am 9. Februar 1981 – kurz nach seinem Wechsel ans Krankenhaus in der Kreisstadt – trat er in die Bereitschaft Cham 1 ein. Seit dem 18. Januar 1992 ist er Mitglied der örtlichen Wasserwacht.
     
  • Bereitschaftsarzt: Von 1981 bis 2002 stellte er sich seinen Kollegen im Ehrenamt als Bereitschaftsarzt zur Verfügung. Seit 41 Jahren, seit April 1985, wirkt er als stellvertretender Kreisvorsitzender.
     
  • Brückenbauer: Seitdem ist er im Namen des Vorstandes bei unterschiedlichsten Veranstaltungen unterwegs, „vertritt den Kreisverband nach außen, vermittelt, überzeugt und baut Brücken“, wie Referatsleiter Stefan Raab in einer BRK-internen Würdigung festhält. 
     
  • Berater: Bei all seinen Funktionen und Titeln sei Schneider stets Rotkreuz-Kamerad aus Überzeugung geblieben. Für das Ehrenamt, den Rettungsdienst und insbesondere für die Breitenausbildung sei er stets eine unersetzliche Beratungsinstanz gewesen. Bei unzähligen Vorträgen und Lehrgängen habe er beim BRK selbst im Lehrsaal gestanden. 
     
  • Notarztdienst: Besonders hervorzuheben seien seine herausragenden Verdienste beim Auf- und Ausbau des Notarztdienstes im Landkreis Cham. Gemeinsam mit seinem langjährigen Chefarzt-Kollegen Dr. Robert Pesold habe er aus kleinsten Anfängen heraus ein leistungsfähiges, flächendeckendes Notarztsystem entwickelt, das der Bevölkerung bis heute zugutekomme.
     
  • Lebensretter: Über 30 Jahre hinweg sei er bei unendlich vielen Einsätzen in der Region unterwegs gewesen und habe unzähligen Menschen das Leben gerettet.