Mit dem Start ins Jahr 2026 wird in Furth wieder einmal gebangt

Tereza Homolková
Ein tschechischer Rettungswagen vor der Notaufnahme der Sana Kliniken in Cham: Dank der Arbeit, die seit 2016 im Kompetenz- und Koordinierungszentrum in Furth im Wald geleistet wird, gehören solche Bilder mittlerweile zum Alltag.

BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner findet beim traditionellen Weihnachtsbesuch der CSU-Mandatsträger deutliche Worte zur Zukunft des Grenzüberschreitenden Rettungsdienstes. „Wir sind immer noch nicht durch, dass das auf Dauer finanziert wird. Das kann man eigentlich nicht verstehen bei all dem Einsatz, der dort getätigt wird", sagte er. Aber: Er gab sich kämpferisch. „Wir werden das schaffen, da bin ich überzeugt.“

Von Frank Betthausen

Cham. Mit dem Jahreswechsel beginnt bei den BRK-Verantwortlichen erneut das Bangen um das 2016 eröffnete Kompetenz- und Koordinierungszentrum für den grenzüberschreitenden Rettungsdienst zwischen Bayern und Tschechien. Ende 2026 läuft die dritte INTERREG-Periode für das Projekt aus, das vom Rettungszentrum in Furth im Wald aus koordiniert wird. Wie es weitergeht, ist nach Ablauf der ersten 24 Fördermonate offen – wieder einmal… 

Grund genug für BRK-Kreisvorsitzenden Theo Zellner, den CSU-Mandatsträgern aus der Region bei ihrem traditionellen Weihnachtsbesuch an der Rettungswache in Cham einen leidenschaftlichen Appell mit auf den Weg zu geben.

„Ich bitte jetzt um jeglichen Einsatz, denn wir haben im Augenblick keine Sicherheit, dass dieses grenzüberschreitende Zentrum über den 31. Dezember 2026 hinaus fortgeführt wird – und das nach neun Jahren“, sagte der langjährige BRK-Präsident am Montag im Gespräch mit der Politiker-Delegation, die Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp und Landrat Franz Löffler anführten.

Österreich als Vorbild?

„Wir sind immer noch nicht durch, dass das auf Dauer finanziert wird. Das kann man eigentlich nicht verstehen bei all dem Einsatz, der dort getätigt wird. Es wäre sehr schade, wenn das auslaufen würde. Aber wir werden das schaffen, da bin ich überzeugt“, gab sich Zellner kämpferisch. 

Eine gewisse Zuversicht zog er aus der Tatsache, dass die Thematik der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst in Österreich vor wenigen Tagen in den Ministerrat hineingetragen worden war – mit der Absicht, ein Rahmenabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland zu schließen.

 Wir sind da miteinander unterwegs, um Lösungen zu erarbeiten. Wir werden da hoffentlich im kommenden Jahr weiterkommen. Wir tun, was wir auf unserer Ebene tun können. 

MdL Gerhard Hopp zum Thema Grenzüberschreitender Rettungsdienst

„Die Thematik bewegt und beschäftigt uns gemeinsam. Wir sind da miteinander unterwegs, um Lösungen zu erarbeiten. Wir werden da hoffentlich im kommenden Jahr weiterkommen. Wir tun, was wir auf unserer Ebene tun können“, bekräftigte Gerhard Hopp in der Gesprächsrunde. Er hoffe, dass es gelinge, auf Bundesebene Zugang zu den Krankenkassen zu finden und entsprechende Leistungen abzurechnen. 

Franz Löffler verwies auf die Erfolge, die in den vergangenen knapp zehn Jahren über das Kompetenz- und Koordinierungszentrum in der Drachenstich-Stadt erzielt worden waren. 

„Das wäre das Einfachste“

Dass der Rettungsdienst an der Grenze nicht mehr Halt mache, dass das Umladen von Patienten weggefallen sei und „gegenüberliegende Rettungsmittel“ im Fall des Falles auf beiden Seiten der Grenze eingesetzt werden könnten, sei positiv. 

„Das ist das, was funktioniert und was die Menschen primär interessiert. Jetzt müssen wir schauen, wir das weiterhin begleiten. Am besten wäre es, den Teil, den wir als notwendig erachten, in die Rettungsdienst-Finanzierung hineinzugeben. Das wäre das Einfachste. Alles andere ist nur eine Brücke, die auch eine Krücke sein kann“, betonte das Landkreis-Oberhaupt.

Frank Betthausen
BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner (5. von rechts) und die Vertreter der CSU dankten den BRK-Kräften aus dem Haupt- und dem Ehrenamt für den Einsatz, den sie das ganze Jahr über für die Gesellschaft erbringen.

Was die allgemeine Lage im Landkreis betrifft, sah Franz Löffler „ein ganz hohes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit“ gewährleistet. Das sei in allen Bereichen der Fall, in denen Haupt- und Ehrenamt perfekt zusammenarbeiteten. 

„Das macht uns stark, das macht uns solidarisch, aber auch resilient für Herausforderungen, die uns in Zukunft noch mehr begegnen werden“, meinte der Landrat, der die Frage der zivilen Verteidigung „in den Mittelpunkt unseres Geschehens“ rücken sieht.

Vor diesem Hintergrund bekundete er dem BRK seinen Respekt dafür, dass es rechtzeitig reagiere und seine neue Katastrophenschutzhalle in Cham „jetzt angeht und nicht erst, wenn es so weit ist“. 

Das „dringend nötige Bauwerk“, wie es Theo Zellner formulierte, soll 2026 in der Tiergartenstraße realisiert werden und nicht ganz eine Million Euro kosten. „Wir wollen in den Ausschreibungen möglichst schnell vorankommen“, bekräftigte der Altlandrat. 

Lob für Patenschafts-Aktion

Katastrophenschutzleiter Tobias Muhr dankte er in diesem Zusammenhang für dessen Patenschafts-Aktion, über die aus der heimischen Wirtschaft „wertvolle Spenden“ generiert werden, die unter anderem für das Vorhaben in der Kreisstadt Verwendung finden sollen. „Wir fühlen uns als Rotes Kreuz bestens unterstützt“, betonte Zellner und bezog diese Aussage auch und in besonderer Weise auf die Kommunalpolitik.

Gerhard Hopp sah zum Jahreswechsel „eine große Aufgabe“ darin, die Solidarität in der Gesellschaft zu erhalten. „Wir merken das – jeder an seiner Stelle –, dass das immer mehr bröckelt und es immer mehr Menschen gibt, die an diesem Staat als Ganzes zweifeln“, sagte der Abgeordnete. 

Im „stark aufgestellten BRK“ machte er „das beste Beispiel“ dafür aus, dass es sich lohne, sich einzubringen. Wo Vertreter aus Haupt- und Ehrenamt miteinander wirkten, könnten es viele Menschen schaffen, die Gesellschaft zusammenzuhalten. „Das ist so viel wert“, sagte Hopp.

 Wenn wir das nicht schaffen, hier Integration zu betreiben und den Zuzug aus dem Ausland gesteuert forcieren, dann werden wir das nicht erleben wollen, was da auf uns zukommt. 

Michael Multerer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags

Michael Multerer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und Mitglied des BRK-Kreisvorstands, wandte sich dem Pflege-Sektor zu. Mit Blick auf den demografischen Wandel und das Fehlen von Fachpersonal appellierte er an die Gesellschaft, Mut zu neuen Wohnformen zu haben und dafür zu sorgen, dass die Menschen länger zu Hause leben könnten.

Gleichzeitig machte er sich für eine zielgerichtete Zuwanderung stark, um insbesondere darauf reagieren zu können, dass in den nächsten Jahren mit ihrem Renteneintritt die Generation der Babyboomer auf dem Arbeitsmarkt fehlen wird. „Wenn wir das nicht schaffen, hier Integration zu betreiben und den Zuzug aus dem Ausland gesteuert forcieren, dann werden wir das nicht erleben wollen, was da auf uns zukommt“, erklärte Multerer.

Zwei begrenzende Faktoren

Franz Löffler fand beim Thema Pflege ebenfalls deutliche Worte. „Wir tun gut daran, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie wir das effizienter, bürokratieärmer und eigenverantwortlicher vor Ort hinbekommen“, sagte der Landrat.

Die Gesellschaft werde sich damit auseinandersetzen müssen, wie es gelinge, mit weniger Kräften „möglichst die gleiche Leistung, allerdings etwas schlanker“, sicherzustellen. 

„Wer glaubt, dass wir das in den nächsten zehn Jahren mit der gleichen Intensität, was das Personal angeht, bewältigen können, der verkennt die demografische und die finanzielle Entwicklung. Beides sind begrenzende Faktoren unserer Zeit“, bekräftigte er.

Chams Bürgermeister Martin Stoiber bescheinigte dem BRK wie allen Blaulicht-Organisationen im Landkreis „große Professionalität“. Auf die BRK-Familie sei zu jeder Zeit Verlass. „Ich bin sehr froh, dass es euch gibt. Wenn es das BRK nicht gäbe, müsste man euch erfinden“, sagte das Stadtoberhaupt.

 Ich bin sehr froh, dass es euch gibt. Wenn es das BRK nicht gäbe, müsste man euch erfinden. 

Bürgermeister Martin Stoiber

Frank Betthausen
Nach dem offiziellen Besuch der CSU-Politiker tauschte sich Theo Zellner noch eine Weile mit „seinen“ Rettungsdienst-Mitarbeitern aus.

Besonders imponierte dem Lokalpolitiker, dass der Sozialverband nicht nur für die älter werdende Gesellschaft oder im Einsatz- und Katastrophenfall Verantwortung übernehme, sondern sich über den Ausbau von Kindergärten und Krippen auch „für die ganz Jungen“ engagiere. 

„Ihr seid unendlich wertvoll für die Kommunen, den Landkreis, die Menschen und alle, die Hilfe in der Not brauchen“, hielt Stoiber fest.

Dominik Lommer griff das von allen Rednern angesprochene, gewinnbringende Miteinander aus hauptberuflichen und freiwilligen Kräften auf. „Was das Haupt- und das Ehrenamt angeht, sind wir wahnsinnig stolz – nicht nur Rot-Kreuz-intern, sondern über alle Organisationen hinweg“, sagte der stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer und Rettungsdienstleiter. 

Allerdings werde in diesem Bereich „wirklich viel investiert“ – nicht nur in Beziehungen, sondern auch in Freundschaften. „Das ist ein wesentlicher Punkt, dass wir uns ganz oft treffen und immer wieder austauschen. Ich glaube, das ist das, was vielen anderen fehlt“, meinte Lommer.

Probleme durch strenge Vorgaben

Dass beim BRK viele Hauptamtliche in ihrer Freizeit ausrückten, sei nicht selbstverständlich. „Da macht es uns der Gesetzgeber mittlerweile jedoch sehr schwierig, weil es uns inzwischen eigentlich gar nicht mehr erlaubt ist, dass sich jemand in der gleichen Tätigkeit auch ehrenamtlich engagiert“, zielte der Rettungsdienstleiter auf steuerrechtliche Fragen, das Arbeitszeitgesetz und die Einhaltung von Ruhezeiten ab. 

„Das wäre ein dringender Appell Richtung Land und Bund, dass man sich das auch einmal überlegen muss, dass eine Hilfsorganisation kein Unternehmen ist wie in der freien Wirtschaft“, betonte Lommer. 

Wenn von den Leuten erwartet werde, dass sie kämen, wenn sie nicht im Dienst seien, müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, forderte er.