Ohne diese Frauen gäbe es keine BlutspendetermineOhne diese Frauen gäbe es keine Blutspendetermine

Ohne diese Frauen gäbe es keine Blutspende-Termine

An diesem Samstag (8. Mai) ist Weltrotkreuztag. Am Geburtstag von Rot-Kreuz-Gründer Henry Dunant feiert das DRK in Berlin seinen 100. Geburtstag. Wir holen aus diesem Anlass mit Gaby Loibl und Karin Betz zwei ehrenamtliche Helferinnen ins Rampenlicht, die dort zwar nicht gerne stehen, es sich mit ihren Unterstützerinnen aber redlich verdient haben.

Von Frank Betthausen

Waldmünchen. Nein, im Mittelpunkt stehen Karin Betz und Gaby Loibl nicht gerne – darauf waren sie nie aus. Sie sind es gewohnt, bescheiden im Hintergrund anzupacken. Und doch: Wenn eine Organisation wie das Deutsche Rote Kreuz das 100-jährige Bestehen feiert, gehören Menschen wie sie ins Rampenlicht – und wenn es nur für ein paar redlich verdiente Minuten ist. „Ohne ihr stilles, ehrenamtliches Wirken wäre im Roten Kreuz und in unserem Kreisverband vieles nicht möglich“, lobt BRK-Präsident und Kreisvorsitzender Theo Zellner die beiden Frauen.

Karin Betz engagiert sich seit 2015 ehrenamtlich im Frauenarbeitskreis des BRK in Waldmünchen. Die frühere Leiterin Christa Payer, die ihr Amt 2017 abgab, hatte sie für die Aufgabe begeistert.

„Ohne ihr stilles, ehrenamtliches Wirken wäre im Roten Kreuz und in unserem Kreisverband vieles nicht möglich.“ BRK-Präsident und Kreisvorsitzender Theo Zellner

Die gleichberechtigten Leiterinnen des BRK-Frauenarbeitskreises aus Waldmünchen begleiten seit Jahren mit ihrem Team die Arbeit des Blutspendedienstes in ihrer Heimatregion. In den Augen von Zellner „stehen sie mit ihrem Engagement stellvertretend für die große Vielfalt des Deutschen und des Bayerischen Roten Kreuzes“, das ebenfalls 1921 gegründet worden war. An diesem Samstag, dem Weltrotkreuztag – der 8. Mai war der Geburtstag von Rot-Kreuz-Vater Henry Dunant – findet ein digitaler Festakt in Berlin statt.

Er wird auch den Mitgliedern gewidmet sein, die das Rote Kreuz an der Basis stark machen und stützen. Denn: Ohne Betz und Loibl beispielsweise, ohne ihren Frauenarbeitskreis, der 15 aktive und neun passive Mitglieder umfasst, könnte in Waldmünchen und Schönthal keiner der jeweils vier Blutspendetage pro Jahr stattfinden. Die ehrenamtlichen Helferinnen kümmern sich nicht nur um die Registratur der – in normalen Zeiten – bis zu 120 Bürger, die pro Termin kommen. Sie sorgen auch für Verköstigung der Blutspender. Die freuen sich im Winter über warme Wiener und im Sommer über Wurstsemmeln – wobei wegen der Pandemie aktuell nur Lunch-Pakete ausgegeben werden.

„Wir fahren mit dem Bus zu den Terminen, richten her und machen unseren Dienst“, sagt Karin Betz. Was so unaufgeregt-zurückhaltend klingt, ist doch jedes Mal ganze Arbeit für die im Schnitt acht bis zehn Damen, auf die Organisator Andreas Urban, der Blutspende-Beauftragte des Roten Kreuzes für den Altlandkreis Waldmünchen, zählen kann – so wie schon sein Vorgänger Alfred Gillitzer. In der Regel – in Coronazeiten gelten natürlich andere Gesetze – trifft sich der Frauenarbeitskreis einmal pro Monat, um die Termine zu planen und die Arbeiten zu vergeben.

Die ehrenamtlichen Helferinnen des Frauenarbeitskreises (links Gaby Loibl) kümmern sich unter anderem um die Registratur der – in normalen Zeiten – bis zu 120 Blutspender, die pro Termin erscheinen.

Seit 2008 engagiert sich Gaby Loibl (59) ehrenamtlich in der fleißigen Frauenrunde. Damals hatte Leiterin Christa Payer die Hausfrau angesprochen und für die Aufgabe begeistert. Payer stand dem Arbeitskreis von 2005 bis 2017 vor und holte 2015 auch Karin Betz (60) mit an Bord. Die Verkäuferin hatte da schon reichlich Erfahrung in anderen Funktionen gesammelt – unter anderem als Turn-Übungsleiterin beim TV Waldmünchen. „Solang ich denken kann, bin ich immer bei irgendeinem Verein im Ehrenamt gewesen“, sagt Betz, während Loibl beim BRK erstmals ehrenamtlich Verantwortung übernahm.

Dabei hatte sie – und auch hier kommt wieder große Bescheidenheit durch – anfangs durchaus Bedenken, ob in der neuen Aufgabe alles klappen wird. „Aber“, sagt sie, „das hat sich wunderbar eingespielt. Man wächst da rein.“ Der Frauenarbeitskreis sei eine schöne Gemeinschaft. Und: Man wisse, man mache auch etwas Sinnvolles. „Das gibt einem auch eine gewisse Erfüllung“, sagt die Waldmünchnerin. Erst recht, da das Team ein „ganz tolles“ sei, wie Karin Betz ergänzt. Lang bitten muss sie nie jemanden um etwas. Die Mitglieder sind immer sofort zur Stelle, wenn es Arbeit gibt.

Im Übrigen galt das zu ihrer Überraschung auch für die Blutspende-Termine in Corona-Zeiten. Einige der Helferinnen sind doch in einem Alter, in dem sie auf dem Papier zur Risikogruppe zählen. „Ich hatte zwar am Anfang schon ein paar Bedenken, aber es hat sich keiner zurückgezogen und alle haben weiter mitgeholfen“, blickt die 60-Jährige auf das Pandemie-Geschehen zurück.

„Dieser Einsatz ist nicht hoch genug einzuschätzen“, klinkt sich Blutspende-Beauftragter und Referatsleiter Stefan Raab von der BRK-Kreisgeschäftsstelle in Cham ein. Jede Blutspende zähle und werde gerade in diesen Zeiten dringend benötigt. „Da ist es einfach unglaublich wertvoll, zu wissen, dass es im Landkreis Cham eine solch zuverlässige Helferschar und so viel ehrenamtliches Engagement gibt“, hält er fest.

Ganz nebenbei registriert er seit 2020 sogar einen kleinen Blutspende-Boom in der Region – trotz Corona. So waren bei den bisher 18 Blutspende-Veranstaltungen des neuen Jahres im Durchschnitt 141,61 Spender zu verzeichnen. 2019 lag der Jahresschnitt bei 119,5 Teilnehmern pro Termin, 2020 bei 123. Bei all dem notierte Raab von Anfang Januar bis Ende April 329 Erstspender.

Im vergangenen Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt 286 gewesen. 2019 standen Ende April 213 Erstspender in den BRK-Büchern. Alles in allem haben der Referatsleiter und seine Mitarbeiter im Ehren- und Hauptamt heuer 82 Blutspenden im Landkreis vorgesehen – alle mit strengem Sicherheits- und Hygienekonzept.

Die Mitglieder des Frauenarbeitskreises sorgen bei den Terminen auch für Verköstigung der Blutspender. Die freuen sich im Winter über warme Wiener und im Sommer über Wurstsemmeln – wobei wegen der Pandemie aktuell nur Lunch-Pakete ausgegeben werden.

„Es ist einfach unglaublich wertvoll, zu wissen, dass es im Landkreis Cham eine solch zuverlässige Helferschar und so viel ehrenamtliches Engagement gibt.“ Referatsleiter Stefan Raab

Ob es im Geburtstagsjahr des DRK und des BRK wirklich einen Spender-Rekord geben wird? „Das müssen wir abwarten“, meint Raab. „Wir legen es jedenfalls nicht auf Bestmarken an bei diesem Thema. Wichtig ist, dass die Spenderzahlen auf einem konstant hohen Niveau bleiben – das zählt.“

Woher das gestiegene Interesse rührt, darüber können Raab, Gaby Loibl und Karin Betz nur spekulieren. „Ein Aspekt könnte sein, dass im Lockdown Freizeitmöglichkeiten und der Vereinssport weggebrochen sind“, meint der Blutspende-Beauftragte. Möglicherweise hätten Beschäftigte, die in Kurzarbeit seien, ebenfalls mehr Zeit, weil sie mehr zu Hause seien. „Und: Vielleicht kommen auch Firmenmitarbeiter direkt zu uns, nachdem unsere Sondertermine in den Betrieben momentan nicht stattfinden können“, sagt Raab.

Egal, wie groß der Ansturm 2021 sein wird: Karin Betz, Gaby Loibl und ihr Team werden ihn meistern. Still, bescheiden und aus Überzeugung – und ohne, dass sie dafür zu lang im Scheinwerferlicht stehen wollen…

 

Hintergrund: 100 Jahre Deutsches Rotes Kreuz

  • Festakt: Der digitale Festakt zum 100-jährigen Bestehen des DRK findet am Samstag, 8. Mai, dem Geburtstag des Rot-Kreuz-Gründers Henry Dunant, statt. Die Veranstaltung im Generalsekretariat des DRK in Berlin wird von 10.30 bis 12 Uhr auf dem YouTube-Kanal des Bundesverbandes und unter dem Link drk.de/100jahredrk zu sehen sein.
  • Wiederholung: Eine Wiederholung ist am gleichen Tag um 15 Uhr vorgesehen. Es sprechen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Dr. Eckart von Hirschhausen.