Projekt „Herzklopfen“: Zahl der Ersthelfer-Einheiten steigt auf 30

Johannes Kreuzer
Der QR-Code für das neue digitale Einsatzprotokoll stieß im proppenvollen Lehrsaal der Chamer Rettungswache auf breites Interesse.

BRK-Rettungsdienstleiter Dominik Lommer zieht vor Feuerwehrkräften Bilanz über eine Initiative, die Leben rettet. Seit 2022 rücken im Landkreis Cham sogenannte CPR-Einheiten aus, um Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten haben, zu reanimieren.

Von Frank Betthausen

Cham. Still und leise – und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – hat sich das Projekt „Herzklopfen“ in den vergangenen Jahren zu einem großen Erfolg ausgewachsen. Im April 2022 hatten das Bayerische Rote Kreuz, die Kreisbrandinspektion Cham und die Integrierte Leitstelle Regensburg die Initiative, die auf eine Studienarbeit von BRK-Rettungsdienstleiter Dominik Lommer zurückgeht, vorgestellt.

Dabei werden sogenannte CPR-Einheiten alarmiert, um Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten haben, zu Hilfe zu eilen – und sie zu reanimieren. 

Neben der Bergwacht Neukirchen b. Hl. Blut stellten bisher 29 Freiwillige Feuerwehren im Landkreis das ehrenamtliche, im Umgang mit dem Defibrillator geschulte Personal. Schon bald sollen weitere Rot-Kreuz-Einheiten und Ortswehren hinzukommen.

Durch das Projekt soll die lebenswichtige Zeit überbrückt werden, die Rettungsdienste wie das BRK oder die Malteser zur Anfahrt an die Einsatzstelle benötigen.

 Wir sind hier Vorreiter und schaffen es mittlerweile, bei weit mehr als 90 Prozent der Reanimationen eine CPR-Einheit zu schicken. Das gibt es in der Form wahrscheinlich in keinem anderen Landkreis. 

BRK-Rettungsdienstleiter Dominik Lommer

Die Abkürzung CPR steht im Englischen für Cardiopulmonary Resuscitation. Im Deutschen ist damit die kardiopulmonale Reanimation gemeint – auch als Herz-Lungen-Wiederbelebung bekannt.

„Wir sind hier Vorreiter und schaffen es mittlerweile, bei weit mehr als 90 Prozent der Reanimationen eine CPR-Einheit zu schicken. Das gibt es in der Form wahrscheinlich in keinem anderen Landkreis“, erklärte Dominik Lommer bei einer Informationsveranstaltung in der BRK-Rettungswache in Cham an der Seite von Dr. Johannes Kreuzer. Er hatte nach der Verabschiedung des langjährigen Kreisfeuerwehrarztes Dr. Stefan Enderlein im Mai dessen Nachfolge angetreten.

Der Mediziner und Lommer waren bei einer ersten Abstimmung zum Schluss gekommen, dass es nach viereinhalb Jahren an der Zeit wäre, Bilanz zu ziehen, das Netzwerk zu stärken und die Beteiligten sowie neue Interessenten aus den Reihen der Feuerwehr und des BRK „beim Thema Herzklopfen noch einmal abzuholen und auf den aktuellsten Stand zu bringen“. 

Mit dem „World Restart a Heart Day“ am 16. Oktober war schnell ein passender Termin gefunden, der riesigen Anklang fand. Statt der angemeldeten 40 Personen machten sich mehr als 60 Teilnehmer auf den Weg in die Tiergartenstraße.

Frank Betthausen
Das Projekt „Herzklopfen“ war im April 2022 bei einer Feierstunde mit den beteiligten Partnern – BRK, Bergwacht Neukirchen b. Hl. Blut, Feuerwehren und Integrierte Leitstelle Regensburg – an der BRK-Kreisgeschäftsstelle in Cham gestartet worden.

Neben einem medizinischen Vortrag von Johannes Kreuzer zu den Reanimationsrichtlinien stellte Dominik Lommer den Zuhörern die Entwicklung seines „Herzensprojekts“ vor.

Wie er erläuterte, hatten die Verantwortlichen beim BRK Mitte des Jahres ein Feedback der Rettungsdienst-Mitarbeiter zu der Initiative eingeholt. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie die Beschäftigten dazu stehen, dass sie an Einsatzorte kommen, an denen eine Gruppe aus Personen – im Normalfall sind es drei – bereits helfend „ihre“ originäre Arbeit übernommen hat.

„Der ganz überwiegende Teil hat gesagt: Wir finden das gut, weil es schon von der Manpower her eine Unterstützung ist – auch wenn es mitunter Einsätze gibt, bei denen es überhandnimmt von der Zahl der alarmierten Kräfte. Zu viel ist hier genauso schlecht wie zu wenig“, meinte Lommer.

Noch viel wichtiger erschienen ihm die Tendenzen, die aus aktuellen Auswertungen herauszulesen sind. Bei 43 Alarmierungen und 22 dokumentierten Einsätzen zwischen dem 7. Juni und dem 13. Oktober 2026 sei der Kreislauf von Betroffenen in Situationen, in denen sie beobachtet worden seien, in sechs von neun Fällen zurückgekehrt – sonst nur bei drei von 13 Einsätzen.

 Wenn ein Ersthelfer danebensteht, hat der Patient eine bessere Chance – kommt ein Defi zum Einsatz, steigt die Überlebenschance nochmals. 

BRK-Rettungsdienstleiter Dominik Lommer

Hätten Ersthelfer einen Automatisierten Externen Defibrillator (AED) eingesetzt, habe der Kreislauf-Stillstand bei vier von sechs Einsätzen durchbrochen werden können – sonst in einem von sieben Fällen.

„Kurz gesagt bedeutet das: Wenn ein Ersthelfer danebensteht, hat der Patient eine bessere Chance – kommt ein Defi zum Einsatz, steigt die Überlebenschance nochmals“, betonte Lommer, der die Info-Veranstaltung auch nutzte, die Teilnehmer mit technischen Neuerungen vertraut zu machen. 

So wird die Protokoll-Erfassung nach einer Idee von Johannes Kreuzer in Zukunft digitalisiert. Das bis dato verwendete Formular ist damit nach Angaben von Lommer Geschichte. Darüber hinaus sei die Alarmierung erweitert worden. „Bislang lief sie nur über eine App beziehungsweise einen Handyalarm, jetzt werden die Einheiten über Pager beziehungsweise Piepser alarmiert“, erläuterte der stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer.

Tobias Muhr
Die Zuhörerschaft von Dominik Lommer und Dr. Johannes Kreuzer war bunt gemischt. Unter den Teilnehmern waren „alte Projekthasen“ genauso wie neue Interessenten aus den Reihen des BRK und der Ortsfeuerwehren.

Ein Anliegen war es ihm, Stefan Enderlein und Martina Feuerer vom Kreisfeuerwehrverband für ihre Aufbauarbeit rund um das Projekt zu danken. In seine lobenden Worte bezog er außerdem Kreisbrandrat Michael Stahl sowie Michael Grundl und Manfred Ruß von der Kreisbrandinspektion Cham für ihre Unterstützung mit ein.

Nicht versäumen wollte es der Rettungsdienstleiter, zusätzlich auf das Angebot der „App-Retter“ hinzuweisen. Hier könnten sich Ersthelfer mit medizinischem Wissen jederzeit vermerken lassen – unabhängig von der Aktion „Herzklopfen“. 

„Jeder Feuerwehrler oder BRKler, der die entsprechende Ausbildung genossen hat und die Tätigkeit in einer CPR-Einheit ausführt, kann im Alltag auch an anderer Stelle helfen und sich auf der Seite www.regionderlebensretter.de registrieren und in der Folge alarmieren lassen – in seinem privaten Umfeld etwa oder wenn er beim Einkaufen unterwegs ist“, erklärte Lommer.

Hintergrund: Die CPR-Einheiten in der Region

  • Start: Das Projekt „Herzklopfen“ war im April 2022 gestartet worden – mit den fünf Freiwilligen Feuerwehren aus Arnschwang, Gleißenberg, Großaign, Miltach und Zandt. Der sechste Aktionspartner war die Bergwacht-Bereitschaft aus Neukirchen b. Hl. Blut.
     
  • Rettungswachen: Die BRK-Rettungswachen in Cham, Furth im Wald, Bad Kötzting, Roding und Waldmünchen sowie der Standort Falkenstein galten und gelten ebenfalls als CPR-Einheiten.
     
  • Ergänzungen: Mit den BRK-Bereitschaften Rimbach und Lam – dort wirken seit 1997 die Helfer vor Ort – sollen künftig weitere Rot-Kreuz-Aktive zum Gelingen der Initiative „Herzklopfen“ beitragen. Sie waren wie neue Interessenten der Ortsfeuerwehren zu der Info-Veranstaltung in Cham gekommen.
     
  • Feuerwehren: Die Zahl der Feuerwehren im Landkreis, die als CPR-Einheit geführt werden, ist laut Rettungsdienstleiter Dominik Lommer seit dem Jahr 2022 von fünf auf 29 gestiegen. Mit der Bergwacht Neukirchen b. Hl. Blut lag die Gesamtzahl im Landkreis Cham Mitte Oktober bei 30.