Rund 120 Einsatzkräfte meistern vier Szenarien

Frank Betthausen
Die erste der drei Alarmierungen erfolgte um 8.30 Uhr und ließ die ehrenamtlichen Kräfte zum Blauberger See ausrücken.

Mit der Jahresübung der Kreis-Wasserwacht bereiteten die Planer Fabian Seebauer und Richard Raum dutzende Wasserretter aus den Landkreisen Cham und Schwandorf auf den Ernstfall vor. Höhepunkt der Geschehnisse war ein angenommenes Starkregen-Ereignis am Satzdorfer See, bei dem ein Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen lag.

Von Frank Betthausen

Cham. Die Angler, die am Samstagvormittag bei Dauerregen ihre Zelte am Satzdorfer See aufgeschlagen hatten, staunten nicht schlecht. Gegen 11.30 Uhr rollte aus dem Nichts Blaulichtfahrzeug um Blaulichtfahrzeug auf die Wiese am Nordufer… Aktive in roter Einsatzkleidung ließen in größtmöglicher Eile ein Boot nach dem anderen zu Wasser. Außenbordmotoren sprangen an – und die Besatzungen preschten los Richtung Insel. 

Nach einem Starkregen-Ereignis mit schweren Überschwemmungen saßen dort Menschen fest, die es in Sicherheit zu bringen galt – einige von ihnen waren aus dem Wasser zu retten.

Die Geschehnisse waren der Höhepunkt der großen Einsatzübung, die Fabian Seebauer, der Technische Leiter der Kreis-Wasserwacht Cham, und sein Stellvertreter Richard Raum geplant hatten, um dutzende Wasserretter aus der Region auf den Ernstfall vorzubereiten.

 Hauptziel war es, die neue Bereichsfolgen-Alarmierung der Wasserrettung zu erproben. 

Fabian Seebauer, Technischer Leiter der Kreis-Wasserwacht Cham

Neben den Schnelleinsatzgruppen (SEG) der Wasserwacht-Ortsgruppen Bad Kötzting, Cham, Roding und Waldmünchen waren bei drei parallel stattfindenden Szenarien und der Abschlusslage am Satzdorfer See, in die das Ganze mündete, die DLRG-Einheiten aus Blaibach sowie Furth im Wald gefordert. 

Hinzu kamen Aktive der Wasserwacht-Ortsgruppen Bodenwöhr, Neunburg vorm Wald und Nittenau.

Alles in allem brachten sich rund 120 Beteiligte – unter ihnen auch Angehörige des Rettungsdienstes mit drei Rettungswagen, der BRK-Bereitschaften, der Polizei und der Feuerwehr – in die Übung ein.

Hauptziel war es laut Seebauer, die neue Bereichsfolgen-Alarmierung der Wasserrettung zu erproben. Für festgelegte regionale Bereiche kommt dabei nach seinen Worten eine bestimmte Anzahl beziehungsweise Reihenfolge von Schnelleinsatzgruppen zum Einsatz.

Frank Betthausen
Mit Booten holten die Angehörigen der Schnelleinsatzgruppen die Betroffenen von der Insel im Satzdorfer See. Sie stand für die Dächer, auf die sich Personen nach einem Starkregen-Ereignis mit schweren Überflutungen gerettet hatten.

„Das hat gut funktioniert, es sind die richtigen Bereichsfolgen für die richtigen Schlagwörter gezogen worden. Auch wenn andere Schnelleinsatzgruppen schon gebunden waren, ist von der Alarmierung her das Richtige passiert“, freute sich der Übungsleiter.

Die ersten Piepser ertönten am Samstag um 8.30 Uhr. Die ehrenamtlichen Kräfte rückten daraufhin zum Blauberger See aus. Dort drohte eine Person damit, von einer Klippe ins Wasser zu springen. 

Als die Wasserretter an Ort und Stelle eintrafen – als Einsatzleiter fungierte Joseph Kraus –, hatte der Betroffene seine Ankündigung wahr gemacht und war untergegangen. Nachdem er vom Boot aus mit dem Sonargerät geortet worden war, machten sich Taucher bei Sichtweiten von unter 20 Zentimetern auf die Suche nach dem Vermissten.

Der zweite Alarm erreichte die Einsatzkräfte um 8.45 Uhr. Auf dem Regen in Roding – dort lag die Einsatzleitung in den Händen von Andreas Dietl – war ein Kanu gekentert. Als die Wasserwacht am Unglücksort ankam, befanden sich drei Personen in akuter Wassernot, zwei mussten an Land betreut werden.

 Am wichtigsten waren die Raumordnung und die Überlegungen dazu, wo bei der engen Zufahrtssituation am besten die Fahrzeuge platziert werden. 

Einsatzleiter Armin Schlüter

Wie Dietl erläuterte, stand die Entscheidung sofort fest, in diesem Fall kein Boot zu slippen, sondern umgehend Wasserretter-Trupps in den Fluss zu schicken. Sie übergaben die drei unterkühlten Kanufahrer an den hinzugerufenen Rettungsdienst.

Alarm Nummer drei ereilte die Aktiven um 9 Uhr. Aus dem Chamer Stadtteil Altenstadt war eine Person gemeldet worden, die hilflos im Wehr am Regen festsaß. „Bei Eintreffen waren es zwei Personen, im weiteren Verlauf drei“, berichtete Einsatzleiter Armin Schlüter. 

Am wichtigsten seien in diesem Szenario die Raumordnung und die Überlegungen dazu gewesen, wo „bei der engen Zufahrtssituation am besten die Fahrzeuge platziert werden“.

Ramona Kraus
Auf dem Regen in Roding war ein Kanu gekentert. Als die Wasserwacht am Unglücksort ankam, befanden sich drei Personen in akuter Wassernot.

Nachdem die drei Lagen abgearbeitet und die Einsatzkräfte wieder eingerückt waren – Sammelpunkt war auf dem Volksfestplatz und an der BRK-Kreisgeschäftsstelle in der Further Straße –, gingen die meisten Teilnehmer davon aus, dass die Übung beendet sei… 

Aber: Als sich alle kurz gestärkt und durchgeschnauft hatten, erfuhren die Retter von der nächsten Herausforderung, dem Schluss-Szenario, dem sich alle Teilnehmer gemeinsam zu stellen hatten. 

Der Satzdorfer See stand dabei für die Wassermassen, die ein Dorf in Teilen überflutet hatten – die kleine Insel in dem Gewässer für Hausdächer, auf die sich Bewohner gerettet hatten… 

Armin Schlüter, dem abermals die Rolle des Einsatzleiters zukam, stellte später die „angenehme, sehr gute Zusammenarbeit“ mit den Partner-Organisationen heraus. Ein besonders wichtiger Baustein sei die geordnete Übergabe der zahlreichen Betroffenen an den Rettungsdienst gewesen.

 Ich hatte ein starkes Team hinter mir. 

Sonja Muhr, Organisatorische Leiterin Rettungsdienst

Die Funktion des Organisatorischen Leiters Rettungsdienst bekleidete am Satzdorfer See Sonja Muhr, als Einsatzleiter Rettungsdienst brachten sich Kristina Voith und Tobias Wutz in die Großübung ein. 

Auch die Unterstützungsgruppe SanEL war in die Ereignisse eingebunden – genauso wie Leitender Notarzt Dr. Andreas Harjung. Die Mitglieder der SEG Behandlung bauten am Ufer einen Behandlungsplatz auf. „Ich hatte ein starkes Team hinter mir“, betonte Sonja Muhr in ihrem Fazit.

Die „größte Leistung“ bescheinigte Armin Schlüter den Mimen, die im Dauerregen tapfer ausgeharrt hätten. Rund 20 Darsteller, unter anderem aus den Reihen der Bundeswehr, hatten am Samstag in allen vier Übungseinheiten ihr Bestes gegeben, um die Einsatzkräfte mit möglichst realistischen Bedingungen zu konfrontieren.

Frank Betthausen
Das Wetter nimmt keine Rücksicht auf ehrenamtliche Aktive – weder bei Übungen noch im realen Einsatzleben. Und so ging es den Angehörigen der Hilfsorganisationen am Samstagvormittag über Stunden hinweg „nass rein“.

Bevor es in den Fahrzeughallen am BRK-Kreisverband die verdiente Brotzeit gab – zubereitet von den Angehörigen der SEG Betreuung –, zogen die Verantwortlichen Bilanz. „Unsere Übungsziele wurden nahezu vollständig erreicht“, freute sich Fabian Seebauer nicht zuletzt darüber, dass es gelungen sei, drei Paralleleinsätze flexibel zu managen.

Die Kooperation mit Regensburg habe ebenfalls bestens funktioniert, erklärte der Technische Leiter und fand lobende Worte für Franz Wagner, der die Übungsleitstelle in der Bezirkshauptstadt besetzt hatte.

In seinen Dank schloss Seebauer die Polizeiinspektion Cham sowie den Kreisfeuerwehrverband, namentlich Kreisbrandinspektor Marco Greil und Kreisbrandmeister Bernhard Hatzinger, mit ein – außerdem die Aktiven der FFW Niederrunding. Sie waren am Satzdorfer See in die Erstbetreuung der „Patienten“ involviert gewesen.

Als Übungsbeobachter agierten Korbinian Kurz und Florian Ullmann von der Kreis-Wasserwacht Schwandorf.