Anton Spandl aus Waldmünchen ist seit einem Zeckenbiss und einer schweren FSME-Infektion weitgehend gelähmt. Seine Familie und das BRK ermöglichten dem 79-Jährigen, der in der Intensivpflege-WG „Am Regenbogen“ in Cham lebt, mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil einen Ausflug nach St. Englmar.
Von Frank Betthausen
Cham. Bis vor wenigen Monaten hat Anton Spandl seinen Ruhestand genossen wie viele andere Rentner. Er freute sich morgens auf seine Zeitung, war agil und mobil und besonders gerne beim Wandern. Es verging kein Tag, an dem es ihn nicht in die Natur hinauszog.
Der November 2024 und ein Zeckenbiss mit einer schweren FSME-Infektion veränderten binnen weniger Stunden alles. Der 79-Jährige ist seitdem weitgehend gelähmt und atmet über einen Zugang zur Luftröhre. Seit dem Frühjahr lebt er in der Intensivpflege-WG „Am Regenbogen“ im Meisenweg in Cham.
Trotz seiner schwierigen Situation und der extremen Einschränkungen hat der ehemalige Berufsschullehrer, der in Furth unterrichtete, nie aufgegeben. „Für ihn war all das lange Zeit mit der Hoffnung verbunden, dass es wieder besser wird. Natürlich gab es Phasen der Frustration, aber er hatte nie den Wunsch, nicht mehr leben zu wollen. Er hängt am Leben“, erzählen seine Angehörigen.
Die Kraft zum Sprechen reicht nicht
Anton Spandl ist kognitiv nicht beeinträchtigt. Er verständigt sich über seine Augen, Mimik und Lippenablesen. Seine Familie ist „sehr froh darüber, dass die Entwöhnung von der Beatmung nach dem künstlichen Koma erfolgreich verlaufen ist“.
Weil dem Waldmünchner die Kraft zum Sprechen nicht reicht, erhält er demnächst ein spezielles Kommunikationsmittel, das er über Augenbewegungen steuern kann.
Um Anton Spandl eine Freude zu bereiten und ihm so auf besondere Weise Kraft zu geben, schlug ihm die Familie einen Ausflug vor – mit seiner Frau, die ihn täglich in der Einrichtung in Cham besucht, seinen vier Kindern, einigen seiner sieben Enkel und weiteren Angehörigen. Die Fahrt sollte an den Silbersee führen, an dem der 79-Jährige immer gerne war.
Er glaubte bis zuletzt nicht daran
„Wir haben ihm das zwei Monate vorher schon als eine Art Projekt in Aussicht gestellt, auf das wir uns gemeinsam gefreut haben“, berichtet sein Sohn Anton Spandl junior, der für die „Reise“ den BRK-Kreisverband Cham mit dessen Herzenswunsch-Hospizmobil ins Boot holte und dazu Katastrophenschutzleiter Tobias Muhr kontaktierte.
Ehrenamtliche Kräfte ermöglichen mit dem Fahrzeug Menschen in fordernden Lebensumständen Unternehmungen, die sonst kaum realisierbar wären, bereiten ihnen Freude oder erfüllen ihnen einen letzten Wunsch.
„Mein Vater hat sich erkennbar darüber gefreut, dass so etwas möglich ist. Er hat, denke ich, bis zuletzt gar nicht geglaubt, dass das etwas wird“, meint der Sohn, den Kollegen auf Angebote wie das Wunschmobil des BRK aufmerksam gemacht hatten.
„Die Familie hat sich total liebevoll um den Vater gekümmert. Wir konnten uns dezent im Hintergrund halten.“
Rettungssanitäter Alexander Bock
„Es hat uns gefreut, dem Patienten ein paar schöne Stunden bereiten zu können, auch wenn wir wegen der schlechten Wetterprognosen am Ende kurzfristig umdisponieren mussten und der Ausflug nicht zum Silbersee führen konnte“, erklärt Tobias Muhr, der für den Samstag die beiden Rettungssanitäter Alexander Bock und Phillipp Aschenbrenner als Begleiter gewinnen konnte.
Eine Absage beziehungsweise Verlegung kam nicht in Frage, da eine Tochter von Anton Spandl extra den weiten Weg aus Bonn auf sich genommen hatte. Seine zweite Tochter lebt in Cham, seine Söhne reisten aus Straubing und München an.
Als kurzfristiges neues Fahrtziel fiel die Wahl auf St. Englmar. Dort standen der Waldwipfelweg und der 52 Meter hohe Waldturm auf dem Programm. Zwar herrschte an diesem Tag rundum graue Nebeltristesse ohne Aussicht – doch der Freude tat das keinen Abbruch.
Erschöpft, aber glücklich
Die Gemeinschaft erlebte viele unbeschwerte Momente, die auch Anton Spandl spürbar guttaten – mit gelösten Gesprächen, Lachen und einem Picknick in luftiger Höhe. „Die Familie hat sich total liebevoll um den Vater gekümmert. Wir konnten uns dezent im Hintergrund halten“, erzählt Alexander Bock, für den es die erste Herzenswunschfahrt war.
Emotionale, berührende Augenblicke spielten sich auf der Rückfahrt ab, als die Ausflügler und die BRK-Kollegen mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil die Kirche in Willmering ansteuerten.
Hubert Bauer, ein Freund der Familie, gab dort ein privates Orgelkonzert. Enkel Nepomuk spielte auf dem Horn dazu.
So kehrte der 79-Jährige am Nachmittag erschöpft, aber glücklich in den Meisenweg zurück. „Es war ein schöner Tag für alle Beteiligten“, sagt Alexander Bock in der Rückschau. Wie sein Kollege Phillipp Aschenbrenner hörte er viele anerkennende Worte zu seinem Engagement und zum Herzenswunsch-Hospizmobil des BRK.
„Das ist wirklich ein tolles Angebot. Schön, dass es das gibt!“, betonte Antons Spandls Familie mehrfach.