
Pater Peter Renju segnete das Fahrzeug am Samstag bei einer Feierstunde in Cham. Für den Mercedes-Benz, der über modernste Technik und eine ganze Reihe an Verlademöglichkeiten verfügt, mussten in der Unterkunft der Wasserretter einige Umbauten vorgenommen werden. „Ohne unsere Mitglieder, die immer so fleißig mithelfen, wäre all das nicht möglich“, sagte Vorsitzende Ulrike Alt.
Von Frank Betthausen
Cham. Mehr als 20 Jahre lang – der Mercedes-Benz stammte aus dem Jahr 2003 – hatte der alte Einsatzbus der Wasserwacht-Ortsgruppe Cham den Aktiven der Schnelleinsatzgruppe treue Dienste erwiesen. Aber nicht nur Autokenner wissen: Irgendwann ist jedes Fahrzeug zu alt und die Technik nicht mehr zeitgemäß.
So musste der Bus einem funkelnagelneuen, 190 PS starken Nachfolgemodell weichen. Am Samstagabend erhielt der geländegängige, mit einem Allrad-Antrieb ausgestattete Gerätewagen Wasserrettung – abermals ein Mercedes-Benz Sprinter – bei einer Feierstunde am BRK-Rettungszentrum in Cham den kirchlichen Segen durch Pater Peter Renju.
Um bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke im Schatten feiern zu können, hatten die Kollegen des Rettungsdienstes für die Wasserwacht die untere Ebene der Fahrzeughallen geräumt. Ulrike Alt, die Ortsvorsitzende der Wasserwacht, dankte den Verantwortlichen in ihrer Begrüßung für dieses Entgegenkommen.
Bürgermeister Martin Stoiber verwies in seinem Grußwort vor der versammelten Rot-Kreuz- und Blaulichtfamilie – der Fischereiverein war ebenfalls vertreten – darauf, wie wichtig die Investition sei, die Chams Wasserretter getätigt hätten.
Man darf nicht in den Vordergrund stellen, was so ein Fahrzeug kostet, sondern muss sehen, was damit geleistet wird – von Menschen im Haupt- und im Ehrenamt.
Bürgermeister Martin Stoiber
Um Menschenleben zu retten, brauche es Ausstattung, Ausrüstung und entsprechende Fahrzeuge. „Man darf nicht in den Vordergrund stellen, was so ein Fahrzeug kostet, sondern muss sehen, was damit geleistet wird – von Menschen im Haupt- und im Ehrenamt“, betonte das Stadtoberhaupt.
Das Ehrenamt sei bei der Wasserwacht und im gesamten BRK „ein ganz großer, starker Partner neben dem Hauptamt, um zu helfen, zu retten und zu unterstützen“.
Allen „Menschen, die mit dem Mercedes üben und ausrücken“, zollte Stoiber seine Anerkennung. „Kommt immer gut nach Hause damit!“, gab er den Angehörigen der Schnelleinsatzgruppe einen Wunsch mit auf den Weg.

Landrat Christian Schindler gratulierte der 1948 gegründeten, heute auf mehr als 1200 Mitglieder angewachsenen Ortsgruppe an „einem ganz besonderen Tag“ zu „einer absoluten Erfolgsgeschichte“.
„Ihr seid jederzeit da und opfert eure Freizeit für die Allgemeinheit.“ Dafür sagte er der Mannschaft von Ulrike Alt ein „sakrisches Vergelt's Gott“ im Namen des Landkreises. „Ihr leistet sehr Großes“, befand Schindler.
Die Bandbreite des Engagements bei der Wasserwacht, die vom Rettungsschwimmen über den Gewässer- und Umweltschutz bis hin zu Schwimmkursen für Kinder und Erwachsene reiche, sei „Wahnsinn“.
„Unwahrscheinlicher Werdegang“
Dr. Hans Schneider, der stellvertretende BRK-Kreisvorsitzende, hieb in die gleiche Kerbe. „Die Wasserwacht hat seit 1948 einen unwahrscheinlichen Werdegang hingelegt“, erklärte er. Das neue Fahrzeug komplettiere und verbessere die Ausrüstung und stelle die Einsatzfähigkeit der Aktiven unter Beweis.
Pater Peter Renju, der den im Freien geparkten Mercedes segnete, hatte die Fürbitten treffend auf den Anlass abgestimmt. „Gütiger Gott, lass dieses Fahrzeug überall, wo es gerufen wird, Hilfe und Rettung bringen! Schütze alle vor Gefahren, die mit diesem Fahrzeug Menschen zu Hilfe kommen! Tröste die Kranken und Verletzten, denen dieses Fahrzeug in der Stunde ihrer Not dienen wird!“, sagte er.
Glücklicherweise bilden wir im Roten Kreuz seit Jahren den Helferführerschein aus – federführend durch unseren Ehrenvorsitzenden Reinhard Lesinski.
Technischer Leiter Fabian Seebauer
Dr. Fabian Seebauer, der Technische Leiter der Wasserwacht Cham, stellte die technischen Daten des Gerätewagens vor, der von der Kreis-Wasserwacht im Haushaltsjahr 2023 beantragt worden sei.
Die Finanzierung sei über das Bayerische Rettungsdienstgesetz und den Freistaat Bayern realisiert worden. „Die Zusatzausstattung wurde durch eigene Mittel der Ortsgruppe finanziert“, erläuterte Seebauer.
Um den im November 2025 bei der Firma BINZ Automotive in Ilmenau (Thüringen) abgeholten Sprinter in der Wasserwachts-Unterkunft in der Tiergartenstraße abstellen zu können, waren in der Garage einige Umbauten nötig.
So galt es unter anderem, Regale umzuräumen und Geländer zu kürzen. „Was nicht passt, wird eben passend gemacht – und jetzt passt es auch“, meinte Seebauer mit einem Augenzwinkern.

Auch an anderer Stelle bauten die Verantwortlichen vor – allerdings deutlich langfristiger. Da der Gerätewagen ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,2 Tonnen hat, darf er mit einem normalen Führerschein der Klasse B nicht mehr bewegt werden. „Glücklicherweise bilden wir im Roten Kreuz seit Jahren den Helferführerschein aus – federführend durch unseren Ehrenvorsitzenden Reinhard Lesinski“, verdeutlichte der Funktionär.
Dadurch sei es gelungen, fast alle der knapp 40 Einsatzkräfte in der Schnelleinsatzgruppe dazu zu befähigen, den neuen Bus samt Anhänger zu fahren. Für Seebauer ein zusätzlicher Grund, den Mitgliedern für ihr „unermüdliches Engagement und die investierte Zeit in die Ausbildung“ zu danken…
Sie kann auf ihre Truppe zählen
Ehe sie das Büfett eröffnete und zum gemütlichen Teil überleitete – zur Unterhaltung spielte Maximilian Eberl mit seiner Steirischen auf –, fand Ulrike Alt lobende Worte für ihre Truppe.
„Ohne unsere Mitglieder, die immer so fleißig mithelfen, wäre all das nicht möglich“, sagte die Vorsitzende und bezog diese Aussage sowohl auf die Vorbereitungen der Feierstunde am Samstag als auch auf die Unterstützung rund um das Sommernachtsfest.
Die von Hauptorganisator Richard Raum verantwortete Traditionsveranstaltung findet am 4. Juli im Freibad statt.