Zwei Aktive, die als Kinder schon wussten, wo ihr Weg hinführen soll

Frank Betthausen
Leon Lommer kam im Alter von 17 Jahren als Bundesfreiwilligendienstleistender zum BRK Cham. Seit 2025 ist er im Ehrenamt Bereitschaftsleiter in Bad Kötzing. Im Hauptamt begann er im selben Jahr mit seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter.

Seit rund einem Jahr ergänzen sich Leon Lommer und Sandra Früchtl an der Bereitschaftsspitze in Bad Kötzting. Er leitet die Gemeinschaft, sie hält ihm als Stellvertreterin den Rücken frei. Beiden war sehr früh klar, dass sie sich einmal im sozialen Bereich engagieren wollen. Beim BRK tun sie das im Haupt- und im Ehrenamt. „Es ist vor allem das Menschliche, das es für mich ausmacht. Die Leute, die hier dabei sind! Wir helfen anderen – und das möchte ich ebenfalls tun“, sagt Lommer.

Von Frank Betthausen

Bad Kötzting. Leon Lommer wusste bereits als Kind, womit er einmal sein Geld verdienen möchte. Der Rettungsdienst sollte es sein! Darüber war er sich als Zehnjähriger schon klar, als er sich dem Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kötzting anschloss und sich parallel dazu im Schulsanitätsdienst engagierte…

Die Tür zu seinem Traumjob ist für den heute 21-Jährigen, der seit etwas mehr als einem Jahr an der Seite seiner Stellvertreterin Sandra Früchtl die BRK-Bereitschaft in Bad Kötzting leitet, mittlerweile weit aufgegangen. 

Nach seinen Abschlussprüfungen an der Realschule stieß Lommer im Alter von 17 Jahren über den Bundesfreiwilligendienst zum Roten Kreuz in Cham. Er blieb mit voller Leidenschaft dabei. Im September 2025 begann er mit seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter. „Ich habe es keine einzige Sekunde bereut, dass ich es so gemacht habe“, sagt er.

Den Tipp, sich als Bufdi erst einmal anzuschauen, ob das Metier etwas für ihn wäre, hatte er von der Agentur für Arbeit bekommen. „Ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass ich in den Rettungsdienst möchte. Ich wusste, dass es den Notfallsanitäter gibt, aber nicht, wie der Weg dorthin üblicherweise ausschaut“, erzählt er. Deswegen habe er sich beraten lassen…

 Es hat sich eingespielt. Manchmal ist es schon etwas stressig – gerade durch mein Hauptamt –, aber je früher man anfängt mit der Planung und je mehr Hilfe man sich ins Boot holt, umso leichter wird es. 

Leon Lommer

Während der folgenden zwölf Monate erwarb er den Führerschein der Klasse C und machte seinen Abschluss als Rettungssanitäter. Heute kann er den Bundesfreiwilligendienst jedem nur ans Herz legen. Die Erlebnisse – auch auf dem Krankentransportwagen – seien einschneidende, prägende, meint er.

In seinem Fall hatten sie auch auf seinen ehrenamtlichen Werdegang massiven Einfluss. Nachdem er als Bufdi seinen Rettungsdiensthelfer-Lehrgang absolviert hatte, stieß er 2022 als Aktiver der Unterstützungsgruppe Bad Kötzting zur Bereitschaft in seiner Heimatstadt.

Lommer engagierte sich, wo immer es sein Dienstplan hergab, und übernahm Sanitätsdienste beim Volksfest, beim Pfingstritt und bei den Waldfestspielen am Ludwigsberg…

Und wie kam er zu seiner Leitungsfunktion? Der Bad Kötztinger beschreibt es mit einem Augenzwinkern als „Zufall“. Sein Vorgänger Alexander Raab kündigte 2025 nach zwei Amtszeiten an, aufhören zu wollen – und sprach ihn an. „Ich habe lang überlegt wegen meiner Ausbildung und weil ich doch noch recht jung bin“, berichtet der Neue an der Spitze.

Am Ende habe er den Entschluss gefasst, sich für den Posten zur Verfügung zu stellen – nicht zuletzt in der Aussicht darauf, mit der bewährten 2. Bereitschaftsleiterin Sandra Früchtl zusammenarbeiten zu können. „Sie hilft mir viel, kennt sich aus, hat jede Menge Erfahrung und organisiert das alles super – gerade die Blutspende“, betont Lommer.

Frank Betthausen
Nachdem er als Bufdi seinen Rettungsdiensthelfer-Lehrgang absolviert hatte, stieß Leon Lommer 2022 als Aktiver der Unterstützungsgruppe Bad Kötzting zur Bereitschaft in seiner Heimatstadt. Er engagierte sich, wo immer es sein Dienstplan hergab – bei Sanitätsdiensten genauso wie bei großen Einsätzen (unser Foto entstand im Juli 2025 nach dem Fund einer englischen Fliegerbombe in Cham).

Auch sonst erhält der 21-Jährige viel Unterstützung aus den Reihen der rund 60 Mitglieder starken Bereitschaft. „Wir haben die Themen gut aufgeteilt. Es hat sich eingespielt. Manchmal ist es schon etwas stressig – gerade durch mein Hauptamt –, aber je früher man anfängt mit der Planung und je mehr Hilfe man sich ins Boot holt, umso leichter wird es“, sagt Lommer, für den der Schwerpunkt der ersten zwölf Monate darauf lag, sich in der Rolle einzufinden und einen Überblick zu gewinnen.

Warum er gerne beim BRK ist? „Es ist vor allem das Menschliche, das es für mich ausmacht. Die Leute, die hier dabei sind! Wir helfen anderen – und das möchte ich ebenfalls tun. Dazu kommt, dass dieses Ehrenamt wirklich abwechslungsreich ist und ich das Gefühl habe, dass die Menschen diese Arbeit zu schätzen wissen“, sagt der angehende Notfallsanitäter, der in seiner Freizeit weiterhin als Atemschutzträger und Maschinist seiner Heimatfeuerwehr ausrückt.

Das klingt nach einem proppenvollen Terminkalender… Bleibt da Zeit für Hobbys und Privatleben? Selbstverständlich! Zusammen mit seiner Freundin hat sich Lommer vor wenigen Monaten einen Hund nach Hause geholt, der das Paar „ziemlich auf Trab hält“.

Darüber hinaus setzt sich der junge Mann gerne aufs Fahrrad. Und: Er geht regelmäßig ins Fitnessstudio und zum Wandern. Im Winter schnallt er sich die Tourenski an. 

„Wenn du im Rettungsdienst arbeitest, brauchst du etwas, mit dem du dich ablenken kannst. Ich mag es, draußen zu sein und treffe mich gerne mit Freunden. Ich bin kein Stubenhocker. Da würde ich einen Koller kriegen“, sagt er und lacht.

 Die ambulante Pflege hat mich durch den Menschen- und den Angehörigenkontakt immer am meisten berührt. Mir hat das immer Spaß gemacht. 

Sandra Früchtl

Seine Stellvertreterin Sandra Früchtl ist ähnlich gesellig. „Das ist mein Leben. Ich bin einfach gerne unter Menschen“, sagt sie und erzählt von einer weiteren Parallele zu ihrem Bereitschaftskollegen. 

„Für mich war in der sechsten Klasse klar, dass ich einmal einen medizinischen Beruf ergreifen möchte. Ich habe meine ganzen Schulpraktika schon im Krankenhaus und im Altenheim gemacht und habe mir gar nichts anderes angeschaut“, erzählt die 45-Jährige, die seit Oktober 2001 hauptamtlich in der ambulanten Pflege beim BRK Cham beschäftigt ist.

Früchtl stammt aus dem Chamer Stadtteil Oberhaid und war nach ihrer Schulzeit in der Kreisstadt überbrückungsweise als Sozialbetreuerin in Straubing tätig. Im Anschluss startete sie an der heutigen Berufsfachschule für Pflege und Altenpflegehilfe in Aiterhofen ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin.

Frank Betthausen
2008 übernahm Sandra Früchtl bei der BRK-Bereitschaft Bad Kötzting die Aufgaben der Blutspende-Beauftragten. Seitdem bringt sie sich mit vollem Engagement in die knapp zehn jährlichen Termine in Bad Kötzting, Miltach (unser Bild) und bei der Firma Zollner in Zandt ein.

Ihre endgültige Berufung fand sie bei den Ambulanten Diensten. „Die ambulante Pflege hat mich durch den Menschen- und den Angehörigenkontakt immer am meisten berührt. Mir hat das immer Spaß gemacht. Auch, weil du auf deiner Tour für feste Patienten zuständig bist, die sich jedes Mal unglaublich freuen, wenn du kommst“, erzählt die überzeugte Rotkreuzlerin, die seit ihrer Weiterbildung zur Pflegedienstleiterin 2025 die Tagespflege in Blaibach leitet. Anfang dieses Jahres kam die neu eröffnete Einrichtung in Runding hinzu.

Wer ihr damals den Anstoß gab, sich für ihren Arbeitgeber ehrenamtlich zu engagieren – Früchtl trat am 1. November 2003 der Bereitschaft Bad Kötzting bei –, weiß sie schon gar nicht mehr genau. Irgendwer habe sie damals darauf angesprochen, dass sie sich das doch einmal anschauen könne. 

„Und dann ging es von einem zum anderen“, sagt Früchtl, die schnell Feuer fing und 2004 ihre Ausbildung zur Rettungsdiensthelferin absolvierte. Sogar im Rettungsdienst fuhr sie eine Weile mit… Darüber hinaus brachte sie sich bei Sanitätsdiensten ein und kümmerte sich um den Losstand, den es zu dieser Zeit noch gab.

Bei so viel Einsatz wuchs ihr bald weitere Verantwortung zu. Ab 2009 übernahm sie den Posten der stellvertretenden Bereitschaftsleiterin. In dieser Funktion hielt sie den Bereitschaftsleitern Antje Schmidt, Andreas Schwarz, Tobias Goham und Alexander Raab mit großer Zuverlässigkeit den Rücken frei. 

Die Rolle in der allerersten Reihe lehnte sie mehrfach ab. „Mein Hauptamt geht vor. Ich hätte das nicht miteinander in Einklang bringen können“, sagt die 45-Jährige, die nichtsdestotrotz dankbar dafür ist, dass sie durch ihr Ehrenamt „ein unglaublich großes Netzwerk und viele Kontakte aufbauen konnte“.

 Das ist mein Beitrag für die Bevölkerung – das alles zu regeln und zu managen. Ich selbst kann nicht Blut spenden. Ich habe es einmal probiert, aber ich habe zu große Angst vor dieser Nadel. 

Sandra Früchtl

Sandra Früchtl, privat
Sandra Früchtl trat am 1. November 2003 der Bereitschaft Bad Kötzting bei und fing schnell Feuer für ihr Ehrenamt. Sie übernahm Sanitätsdienste – hier mit Hans Peter Reeger – und kümmerte sich um den Losstand, den es zu dieser Zeit noch gab. Auch im Rettungsdienst fuhr sie eine Zeit lang mit.

Ein Bereich, der sie extrem fordert, ist die Blutspende. Als Hans Stücker (Bereitschaftsleiter von 2005 bis 2009) die Zuständigkeit dafür abgab, übernahm sie 2008 die Aufgaben der Blutspende-Beauftragten. „Das ist mein Beitrag für die Bevölkerung – das alles zu regeln und zu managen. Ich selbst kann nicht Blut spenden. Ich habe es einmal probiert, aber ich habe zu große Angst vor dieser Nadel. Ich würde gerne, aber ich kann es einfach nicht“, gibt sie offen und ehrlich zu. 

So bringt sie sich umso fleißiger in die knapp zehn jährlichen Termine in Bad Kötzting, Miltach und bei der Firma Zollner in Zandt ein. Alles „aus Liebe zum Menschen“, wie sie ihre Motive beschreibt…

Ihre Hobbys sind weniger „actiongeladen“ als die von Leon Lommer. Wenn es ihre Zeit und das Wetter erlauben, unternimmt die Oberhaiderin gemütliche Ausfahrten mit dem Oldtimer-BMW ihres Vaters. Nach dessen Tod hatte sie den Wagen – ihr Papa hatte noch damit begonnen – zu Ende herrichten lassen.

Und: Früchtl ist drauf und dran, wieder in der Musik Fuß zu fassen, die ihr früher viel bedeutete. Die BRK-Mitarbeiterin spielte einst an der Seite von vier Freunden Steirische. Leider, sagt sie, habe sich die Gruppe arbeitsbedingt aufgelöst. 

Vor nicht allzu langer Zeit hat sie ihr Nachbar angesprochen und gefragt, ob sie nicht als Trommlerin den Spielmannszug in Blaibach verstärken wolle. „Ich überlege gerade, ob ich das mache“, sagt sie mit einem Grinsen. Irgendeinen Ausgleich zum BRK brauche es schließlich…