
Das BRK Cham setzt mit Nils Modersohn und Lukas Gaumann in der Vorwald-Gemeinde auf die Jugend. Auf die beiden warten viele Aufgaben. „Mein Wunsch wäre, dass wir wachsen und die Dienstabende nicht zu dritt, zu viert oder zu fünft stattfinden, sondern irgendwann wieder mit zehn Leuten und mehr. Dass das Kameradschaftliche in den Vordergrund tritt!“, sagt Modersohn.
Von Frank Betthausen
Falkenstein. Lukas Gaumann ist sehr realistisch. Und: Für jemanden, der erst 20 Jahre alt ist, blickt er mit einer sehr reifen, lebenserfahrenen Einstellung auf den Berg an Aufgaben, der vor ihm und seinem BRK-Kollegen Nils Modersohn liegt.
„Es ist einiges an Arbeit auf uns zugekommen“, sagt Gaumann. „Aber man darf sich da nicht so reinstressen, dass es einem zu viel wird, sondern muss das in seinem Tempo machen. Das, was vorwärts geht, geht vorwärts – und das, was erst einmal auf der Strecke bleibt, bleibt auf der Strecke. Wir können nicht zaubern.“
Nein, Zauberer sind sie nicht – Gaumann und Modersohn (26), die seit bald einem halben Jahr an der Spitze der BRK-Bereitschaft Falkenstein stehen.
Herausforderungen warten trotzdem einige auf die beiden jungen Führungskräfte, die mit großer Rückendeckung durch die Kreisbereitschaftsleitung beim BRK Cham angetreten sind, die Gemeinschaft in der Vorwald-Gemeinde aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.
Das ist eine Gemeinschaft! Es macht immer Spaß – egal, wo du bist. Die Leute halten zusammen und sind nett. Jeder hilft dir, du kannst auf jeden zugehen.
Lukas Gaumann über den BRK-Kreisverband
„Mein Wunsch wäre, dass wir wachsen und die Dienstabende nicht – wie bisher – zu dritt, zu viert oder zu fünft stattfinden, sondern irgendwann einmal wieder mit zehn Leuten und mehr. Dass das Kameradschaftliche in den Vordergrund tritt!“, sagt Modersohn, der im März offiziell zum Bereitschaftsleiter berufen worden war. Gaumann fungiert als sein Stellvertreter.
Der 20-Jährige hatte seinen Kompagnon bei den Helfern vor Ort (HvO) kennengelernt, für die Falkensteins Bereitschaft das ehrenamtliche Personal stellt. Dass er sich „maximal“ als Vize einbringen möchte, hatte er von Beginn an so kommuniziert…
Fan kleiner Bereitschaften
Durch seine Ausbildung bei BMW, sein Engagement bei der Feuerwehr und im Jugendrotkreuz (JRK) war für ihn der zeitliche Spielraum ausgeschöpft. „So, wie es jetzt ist, ist das eine gute Lösung“, sagt er überzeugt.
Modersohn, der im nicht allzu weit entfernten Höhhof in der Gemeinde Traitsching zu Hause ist, erlebt es genauso – und fühlt sich trotz der fordernden Umstände mit seinem Aufgabenfeld wohl.
„Ich bin ein sehr großer Freund der kleineren Bereitschaften“, sagt er. „Meiner Meinung nach stärken sie die Bindung zur Bevölkerung enorm. Ich finde, dass gerade die kleineren Bereitschaften sehr wichtig sind und oft unterschätzt werden.“
Vor diesem Hintergrund reizte es ihn nach seinem Eintritt ins BRK besonders – der 26-Jährige fasste ab November 2024 über die Rettungshundestaffel bei der Hilfsorganisation Fuß –, in Falkenstein mit anzupacken. So kam es, dass er aus der Bereitschaft Cham 2, in der er ursprünglich angeheuert hatte, in die Gemeinschaft in dem Markt wechselte.

Lukas Gaumann war insbesondere im JRK sehr aktiv, ehe er in die neue Zusatzrolle schlüpfte. Mit Rieseneifer und viel Leidenschaft legt er seit drei Jahren den Grundstock für die BRK-Zukunft an seinem Wohnort. Auf 35 Mitglieder hat er die Zahl der Aktiven in der Jugendgruppe, die er leitet, hochgeschraubt…
Es ist der Punkt, an dem er weiter ansetzen will, um die Falkensteiner Bereitschaftsfamilie, die auf dem Papier 30 Mitglieder umfasst – der harte Kern besteht jedoch nur mehr aus fünf Kräften – zu vergrößern.
„Wir hatten heuer jemanden aus der Jugendgruppe in der Sanitätsausbildung. Nächstes Jahr werden wir wahrscheinlich zwei JRKler schicken können. Das dauert zwar, bis da etwas nachkommt, aber da müssen wir einfach Zeit und Aufwand investieren“, meint er.
Vision für den Standort?
All das geschieht für ihn mit dem Fernziel, den HvO-Dienst- und den BRK-Standort zu stärken und irgendwann „wieder möglichst viele Sanitätsdienste aus eigener Kraft“ besetzen zu können…
Nils Modersohn, der wie Gaumann die Sanitätsausbildung beim BRK absolviert hat, hält es in diesem Zusammenhang für denkbar – es ist seine Vision –, die Gemeinschaft in Falkenstein ein Stück weit zu spezialisieren.
„Mich würde der Fachlehrgang Technik und Sicherheit (TuS) persönlich sehr reizen, weil ich großes technisches Interesse habe“, verrät er. „Das wäre vielleicht auch etwas, womit man unseren Standort etablieren könnte. Ich finde den Themenbereich sehr spannend.“
In Leipzig aufgewachsen
Bei seiner beruflichen Geschichte verwundert es wenig, dass er sich auf diesem Gebiet weiterbilden möchte. Der 26-Jährige, der aus dem Vogtland stammt und in Leipzig aufgewachsen ist, verpflichtete sich direkt im Anschluss an die zehnte Klasse bei der Bundeswehr.
Dort – Modersohn war fast sieben Jahre in einer Transport-Einheit in Roding stationiert und blieb im Anschluss im Landkreis Cham – absolvierte er die Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Als sich sein Abschied von der Truppe abzeichnete, bildete er sich für eine Anstellung in der freien Wirtschaft zum Kranführer weiter.
Diese internationale Haltung, Menschlichkeit zu zeigen und dass hier Menschlichkeit deutlich über Landesgrenzen hinaus großgeschrieben wird, das ist für mich eine wunderbare Sache.
Nils Modersohn über das Rote Kreuz
Im zivilen Leben ist Modersohn heute bei der Firma Mühlbauer in Runding tätig und steuert für das Unternehmen Autokräne.
Mit dem Ausscheiden aus der Bundeswehr stand für den Neu-Traitschinger – er ist mit seiner Valeria verheiratet, die sich ebenfalls in die Rettungshundearbeit einbringt – fest, dass er sich ehrenamtlich stärker engagieren möchte.
Dabei kamen für ihn das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz in Frage. „Dass ich mich am Ende fürs BRK entschieden habe, hatte auch damit zu tun, dass wir in meiner Zeit bei der Bundeswehr einmal mit einer Kolonne des DRK auf einem Parkplatz gestanden haben. Ich bin mit ein paar Aktiven ins Gespräch gekommen – das hat mein Interesse geweckt“, erzählt er.
Der HvO als Bindeglied
Lukas Gaumann, der bei BMW in Regensburg den Beruf des IT-Systemelektronikers erlernt und im August 2027 mit seiner Ausbildung fertig wird, kam im Alter von 17 Jahren zum BRK.
Damals trat er dem Kreisverband Dachau, wo er zu dieser Zeit zu Hause war, und dessen JRK bei. Als die Familie zu seiner Oma nach Falkenstein umzog, schloss er sich der dortigen Bereitschaft an.
Was für ihn die Tätigkeit beim BRK besonders macht? Gaumann muss nicht lange überlegen. „Das ist gerade bei uns auf dem Land der HvO! Für andere da zu sein und helfen zu können, das tut nicht nur den Menschen gut, du knüpfst selbst auch viele Kontakte“, sagt er.

Darüber hinaus seien die Leute beim Kreisverband alle cool drauf. „Das ist eine Gemeinschaft! Es macht immer Spaß – egal, wo du bist. Die Leute halten zusammen und sind nett. Jeder hilft dir, du kannst auf jeden zugehen“, schwärmt der 20-Jährige, der in der freien Zeit, die ihm neben dem BRK bleibt, gerne zum Skifahren aufbricht oder mit Freunden unterwegs ist.
Nils Modersohns größtes Hobby ist und bleibt das BRK und hier in besonderer Weise die Rettungshundestaffel. „Sie nimmt unter dem Strich sogar mehr Zeit in Anspruch als die Bereitschaft – schon allein durch das zweimal pro Woche stattfindende Training“, sagt der 26-Jährige.
Ansonsten sind ältere Fahrzeuge seine Leidenschaft. In diesem Jahr möchte er damit beginnen, zusammen mit seiner Frau einen Allrad-Lastwagen – einen Robur aus Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) – zu einem Weltreise-Mobil umzubauen.
Sie brauchen einen langen Atem
„Wir reisen unglaublich gerne – auch abseits der normalen touristischen Wege“, erzählt Modersohn, der den ersten großen Trip nach der Fertigstellung des Fahrzeugs Richtung Nordafrika plant.
In gewisser Weise kommt an dieser Stelle das zum Ausdruck, was für ihn die Hilfsorganisation ausmacht, der er sich vor zwei Jahren so überzeugt angeschlossen hat. „Diese internationale Haltung, Menschlichkeit zu zeigen und dass hier Menschlichkeit deutlich über Landesgrenzen hinaus großgeschrieben wird, das ist für mich eine wunderbare Sache“, betont er.
„Im Kleinen“ wird er in den nächsten Jahren zusammen mit Lukas Gaumann alles daran setzen, die Aufbauarbeit in Falkenstein zum Erfolg zu führen. Dass es einen langen Atem und viel Geduld brauchen wird, bis sie die Früchte ihres Engagements ernten können, ist beiden bewusst. Trotz ihres jungen Alters sind beide sehr realistisch…