1996 kam etwas ins Rollen, das ihn jung gehalten hat

Frank Betthausen
Zusammenhalt, Kameradschaft und Freude am Ehrenamt – das macht die Bergwacht aus. Und das kommt auch auf diesem Bild von Franz Seidl, Alena Lehminger (links) und Anna-Lena Schönberger zum Ausdruck.

Vor 30 Jahren gründete Franz Seidl in Furth im Wald die erste Bergwacht-Jugend in Bayern. Seine Arbeit trägt bis heute Früchte, das wird im Interview mit dem Gründervater und den heutigen Gruppenleiterinnen Alena Lehminger und Anna-Lena Schönberger schnell klar. Die beiden strahlen im Gespräch mit BRK-Pressesprecher Frank Betthausen aus, „dass Bergwacht Spaß macht“ und arbeiten nach dem Motto „Jeder zählt, jeder, der kommt, ist wertvoll und wichtig“.

Wenn du auf dieses Jubiläum schaust, das ihr am Sonntag, 18. Oktober, in der Schützenhalle am Voithenberg feiert, was geht dir da spontan durch den Kopf, Franz?

Franz Seidl: Ich denke vor allem an die Anfangszeit zurück. Daran, wie das alles entstanden ist! Wir sind damals nach unseren Versammlungen immer noch auf einen Absacker weggegangen. Da hat der Burghard Lang, auch mein Bruder Karl war immer mit dabei, mal gesagt: Mensch, wir brauchen etwas für die Jugend! So sind wir auf die Idee gekommen, im September 1996 einen Schnupperkletterkurs mit knapp 20 Kindern am Kathlstein zu veranstalten. Mehr haben wir nicht nehmen können, weil wir nicht genug Ausrüstung dafür hatten. An den beiden Tagen haben mich mein Bruder Karl und Franz Bosek unterstützt.

Und weil der Kletterkurs so gut funktioniert hat, habt ihr euch gesagt: Wir könnten doch tatsächlich eine Jugendgruppe gründen?

Franz Seidl: Genau! Bei der Bergwacht hat es zu dieser Zeit in ganz Bayern keine solche Gruppe und keine Nachwuchsarbeit gegeben. Ich war damals 2. Bereitschaftsleiter, Josef Fischer der Erste. Die nächste Versammlung haben wir genutzt, um zu fragen, wie die Bereitschaft zu dem Thema steht. Die Antwort lautete: Mach', probier' es mal aus! So haben wir am 5. Oktober 1996, einem Samstag, die Bergwacht-Jugend gegründet – und die Sache hat richtig eingeschlagen. Nach der Einladung in der Presse kamen wieder 20 Kinder mit ihren Eltern. In Zeiten, in denen es noch keine Handys und kein Internet im großen Stil gab, ist da etwas ins Rollen gekommen, das mich selbst jung gehalten hat.

 Beim Programm haben wir uns einfach gefragt: Was macht ein Bergwachtler? Bergwacht-Arbeit! 

Franz Seidl

Was habt Ihr zum Start an Angeboten gehabt?

Franz Seidl: Bevor es losging, mussten wir selbst erst einmal ein paar Dinge lernen – vom Versicherungsschutz bis zur Aufenthaltspflicht. Wir hatten ja keine Nachwuchsarbeit bis dahin und waren in nichts geschult. Bei diesen Themen hat mich Josef Pongratz vom BRK-Kreisverband in Cham enorm unterstützt. Beim Programm haben wir uns einfach gefragt: Was macht ein Bergwachtler? Bergwacht-Arbeit! Also haben wir – meine Stellvertreter waren Jürgen Thiel und Klaus Späth, die mir immer große Stützen waren – die Schwerpunkte aufs Wandern, Erste Hilfe, Hüttenübernachtungen, Klettern und Naturschutz gelegt. 

Franz Seidl
2002 organisierte Franz Seidl das erste bayerische Bergwacht-Jugendcamp in Furth im Wald – mit 100 Teilnehmern.

Das war für die Jugendlichen Abenteuer – und kam wahrscheinlich gewaltig an?

Franz Seidl: Ja, Ende 1996 hatten wir schon 40 Kinder in unseren Reihen. Ich weiß nicht, wie viele junge Aktive wir in all den Jahren „durchgeschleust“ haben, aber aus der ersten Schar sind die allermeisten geblieben – es sind die, die bis heute bei der Bereitschaft Führungsaufgaben und -ämter haben. Bei all dem haben wir regelmäßig schöne Erfolge gefeiert. Wir haben beispielsweise in Furth im Wald 2002 das erste bayerische Bergwacht-Jugendcamp organisiert – mit 100 Teilnehmern! – und Landessieger bei den Wettbewerben des Jugendrotkreuzes gestellt. Eine besondere Ehre war es, dass wir den Jugendpreis und den Umweltschutzpreis des Landkreises Cham erhalten haben. Durch diese Entwicklung wurden auch die Bergwacht Bayern und die Region Bayerwald auf uns aufmerksam. In der Folge habe ich für beide das Amt des Jugendbeauftragten übernommen.

Was macht die Bergwacht für dich aus, Alena?

Alena Lehminger: Der Zusammenhalt! Diese jahrelangen Freundschaften und diese Kameradschaft! Ich bin ja auch schon dabei, seitdem ich zehn Jahre alt bin. 2017 bin ich zusammen mit Eva Kaufmann zur Stellvertreterin von Jugendleiterin Sabine Kaufmann gewählt worden. Das Gründungsjahr unserer Jugendgruppe ist mein Geburtsjahr. Ich kann das alles richtig fühlen (lacht).

Einer eurer größten Erfolge ist eure Beständigkeit, oder?

Alena Lehminger: Ja, die ist bis heute geblieben. Aktuell rennen sie uns wieder die Bude ein – nachdem in der Coronazeit doch einiges schwieriger gewesen war. Derzeit haben wir mehr oder weniger zwei Gruppierungen – einen Schwung aus acht oder neun 14-, 15- und 16-Jährigen, die jetzt allmählich in die Bereitschaft hinüberwechseln, und eine zehnköpfige „Mannschaft“ aus Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von zehn Jahren. Wir haben allerdings im Moment einen Überschuss an Jungs, da dürften sich gerne noch ein paar Mädels dazu gesellen.

 Da war nie wirklich Druck da. Du wirst da ja auch mit einem großen Vertrauensvorschuss hineingeschubst. 

Alena Lehminger

Warum bringst du dich so gerne ein in die Jugendarbeit, Anna-Lena?

Anna-Lena Schönberger: Ich bin in der Jugendgruppe groß geworden. Ich bin bei Andrea Winklmüller und Judith Hofstetter (heute Lehminger) eingestiegen – und mir hat das immer unglaublich Spaß gemacht. Als Alena zur neuen Wahlperiode jemanden gesucht hat, habe ich mich überreden lassen.

Alena Lehminger: Es gibt keine Bessere. Wir ergänzen uns perfekt.

Inwieweit habt ihr das hin und wieder als Bürde erlebt, in die großen Fußstapfen eurer Vorgänger zu treten – vor allem in die von Franz?

Alena Lehminger: Da war nie wirklich Druck da. Du wirst da ja auch mit einem großen Vertrauensvorschuss hineingeschubst – nach dem Motto „Du kannst das und du wirst das gut machen!“. So gehst du deine Arbeit an – und entweder es passt oder es passt nicht. Es ist trotzdem eine wahnsinnige Ehre – bei allem, was der Franz da auf die Beine gestellt und angestoßen hat. Das könnte ich in dieser Form im Augenblick aus Zeitgründen nicht leisten – aber das ist trotzdem okay, weil wir es schaffen, eine Regelmäßigkeit zu gewährleisten und den Teamgeist aufrechtzuerhalten.

Franz Seidl
Erinnerungen an das Zehnjährige im Jahr 2006! Viele „seiner“ Jugendlichen von damals prägen die Further Bergwacht-Bereitschaft bis heute – darüber freut sich Franz Seidl sehr.

Wo liegt für euch das Erfolgsrezept? Wie ist es möglich, über 30 Jahre hinweg auf diesem Niveau Jugendarbeit zu betreiben?

Alena Lehminger: Nie nachgeben! Immer weiter, immer wieder tolle Veranstaltungen bieten und nie die Basics vernachlässigen!

Anna-Lena Schönberger: Ja, und das anbieten, was einem selbst Spaß macht! Wandern, klettern… Entweder es taugt ihnen – oder es taugt ihnen nicht. Aber dann sind es, das muss man ehrlich sagen, auch nicht die geeigneten Jugendlichen für die Bergwacht.

Wie schwer ist es heutzutage, Kinder zu begeistern und zu erreichen?

Alena Lehminger: Es ist definitiv schwerer als früher. Weil es mehr Alternativen gibt und der Schulstress zugenommen hat. Dazu kommt, dass irgendwo auch der Druck der Eltern nicht mehr da ist. Als ich 2006 angefangen habe, war noch viel klarer als heute: Wenn Bergwacht ist, gehst du dorthin, weil es dein Hobby ist. Du willst das, also bleibst du auch dran: Das ist den Kindern und Jugendlichen zu dieser Zeit im Elternhaus eher noch vorgelebt worden. Für uns gilt trotzdem: Jeder zählt, jeder, der kommt, ist wertvoll und wichtig und trägt seinen Teil dazu bei.

Nach welchen Kriterien wählt ihre eure Programmpunkte aus und wie bleibt ihr kreativ?

Alena Lehminger: Nach dem, worauf wir selbst Lust haben (lacht) und was uns Freude macht. Wir müssen ja vermitteln, dass Bergwacht Spaß macht. Generell versuchen wir, sehr viel spielerisch zu gestalten und neben Theorie-Blöcken viel draußen unterwegs zu sein. 

Anna-Lena Schönberger: Das hängt stark vom Wetter ab – und auch davon, ob ein Entscheid ansteht und wir uns beispielsweise dem Thema Erste Hilfe wieder stärker widmen müssen. Und wir gehen natürlich auf die Wünsche unserer Mitglieder ein!

 Wir wollen noch möglichst viele coole Aktionen mit unseren Mitgliedern auf die Beine stellen. 

Anna-Lena Schönberger

Wie realistisch ist es, Franz, dass dein „Baby“ den 50. Geburtstag feiert?

Franz Seidl: Wenn du mit einer Jugendgruppe startest wie wir damals, bist du im Hier und Jetzt. Du denkst nicht an irgendwelche Jubiläen. Dass das mit den Gruppenleitern, die nach uns kamen, so super weitergelaufen ist, freut uns sehr. Ich hoffe, dass diese Entwicklung so weitergeht. Zum Wohl der Kinder und unserer Bergwacht!

Wie lang, meinst du, fühlst du dich jung genug für die Jugendarbeit, Alena?

Alena Lehminger: Ich kann leider nicht hellsehen (lacht). Wenn es so weiterläuft, wie es gerade ist, passt es perfekt – dann ist es schön. Mit den Kindern, die wir im Augenblick haben, kannst du supergut arbeiten.

Welche Ziele habt ihr euch noch gesteckt?

Anna-Lena Schönberger: Wir wollen noch möglichst viele coole Aktionen mit unseren Mitgliedern auf die Beine stellen. Wir wollen sie halten und so heranziehen, dass vielleicht wieder eine Hand voll in die Bereitschaft hinüberwechselt.

Hintergrund: 30 Jahre Bergwacht-Jugend

Franz Seidl
Fasching 2001! Bei aller Ernsthaftigkeit kam der Spaß nie zu kurz. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
  • Termin: Ihr 30-jähriges Bestehen feiert die Bergwacht-Jugend Furth im Wald am Sonntag, 18. Oktober, ab 13 Uhr in der Schützenhalle am Voithenberg.
     
  • Geschichte: Gründervater Franz Seidl wird in seiner Rede auf die Anfangsjahre zurückblicken. Der 68-jährige, ehemalige Zollbeamte, der 1975 in die Bergwacht eingetreten war, hatte die Jugendgruppe am 5. Oktober 1996 aus der Taufe gehoben.
     
  • Leitung: Den Nachwuchs der Further Bergretter leitet seit den Wahlen 2025 Alena Lehminger. Die 30-Jährige arbeitet als Hebamme und gehört seit 2006 der Bergwacht an.
     
  • Stellvertretung: Lehmingers Stellvertreterin ist Anna-Lena Schönberger. Die 26-Jährige ist bei der Firma Zollner in der Lohnabrechnung tätig. Bei der Bergwacht in ihrer Heimatstadt bringt sie sich seit 2011 ein.
     
  • Treffen: Nach Angaben der beiden Verantwortlichen gibt es keine festen Tage für die regelmäßigen Treffen der Gruppe. Termine werden „relativ flexibel“ über Abstimmungen festgelegt.
     
  • Kontakt: Interessenten können sich jederzeit per E-Mail unter der Adresse bw-jugend.furth(at)gmx(dot)de bei den beiden Gruppenleiterinnen melden.
Franz Seidl
Sie waren nicht nur stets fit in Erster Hilfe, auch beim Fußball schlugen sich die Aktiven der Further Bergwacht-Jugend wacker.